1. Einleitung
Ein Leben ohne das Internet ist heute kaum mehr vorstellbar. Nie zuvor war es so einfach an Informationen zu kommen, sie zu verbreiten und sich mit anderen Personen auszutauschen. Gerade für Jugendliche hat das Internet und vor allem die entstandenen sozialen Netzwerke einen hohen Stellenwert. Die Möglichkeit, durch immer kleinere tragbare Computer (Laptops, Netbooks etc.) und Handys mit Internetzugang, quasi immer und überall ins Internet zu gehen, hat diese Entwicklung noch verstärkt. Überspitzt könnte man sagen, dass viele Jugendlichen mehr Zeit in der virtuellen Welt des Internets verbringen als in der realen Welt. Es findet also eine Veränderung in Kommunikations- und Sozialstrukturen statt. Welche Vor- und Nachteile diese Entwicklung mit sich bringt, soll in dieser Arbeit nicht im Vordergrund stehen. Unabhängig davon, wie der einzelne zu dieser Entwicklung steht, muss jedoch anerkannt werden, dass das Internet und seine Möglichkeiten ein wichtiger Bestandteil der Lebenswelt der Jugendlichen ist. Möchte die Schule ihren Bildungsauftrag effektiv und damit adressatengerecht vermitteln, so kann sie die neuen Erscheinungen des Internets nicht ignorieren, sondern muss im Gegenteil überlegen, wie sie sie gewinnbringend in den Unterricht integriert.
Das Internet und seine Möglichkeiten können auf vielfältige Art und Weise im Unterricht genutzt werden. Als ein mögliches Beispiel soll im Folgenden ein Konzept zur Nutzung von Blogs im Chemieunterricht der Sekundarstufe I (Klasse 8-10) vorgestellt werden. Blogs eignen sich gut für den Einsatz im Unterricht, da die technische Handhabung verhältnismäßig einfach ist, die Bedienoberfläche übersichtlich ist und ohne Probleme von verschiedenen Nutzern Material hochgeladen werden kann. Durch die Kommentarfunktion ist Austausch und Diskussion von Ergebnissen möglich.
2. Das Projekt und die fiktive Lerngruppe
2.1. Merkmale der fiktiven Lerngruppe
Im Folgenden wird von einer durchschnittlichen Schulklasse der Jahrgänge 8. bis 10. eines Gymnasiums ausgegangen. Vereinfachend wird angenommen, dass alle Schüler privat die Möglichkeit haben ins Internet zu kommen (zuhause, bei Freunden, frei zugängliche Computerräume in der Schule am Nachmittag etc.) und es in der Schule ebenfalls die Möglichkeit gibt das Internet zu nutzen. Des Weiteren wird angenommen, dass alle über mindestens elementare Grundkenntnisse in der Bedienung des Computers verfügen. Die notwenigen grundlegenden sozialen Kompetenzen zur Arbeit in Gruppen und Kompetenzen zur Kommunikation mit anderen (Schüler, Lehrer, Außenstehende), werden ebenfalls als gegeben angesehen.
2.2. Beschreibung des Projektes / Die Nutzung des Blogs
Im Rahmen des Chemieunterrichtes werden häufig eine Reihe von chemischen Experimenten zu einem Themengebiet durchgeführt. Die Schüler arbeiten hierbei üblicherweise in Gruppen. Da selten ein Experiment dem anderen genau gleicht, selbst wenn sie nach der gleichen Versuchsanleitung durchgeführt werden, ist es wichtig, dass ein Austausch über die Durchführung, die Beobachtung und die Deutung stattfindet. Eine gute Möglichkeit, diesen Austausch zu organisieren, ist ein Blog, der eigens für diese Klasse und dieses Fach eingerichtet wurde und von dem Lehrer verwaltet wird. Die Schüler bekommen alle eine Nutzerkennung und können ihre Versuchsbeschreibungen (Durchführung, Beobachtung und Deutung) in den Blog stellen. Jeder Schüler kann anschließend nachlesen was die anderen Gruppen gemacht haben und feststellen, wo die Unterschiede liegen. Durch die Kommentarfunktion ist eine einfache Kommunikation und Diskussion der Ergebnisse möglich. So können Fragen geklärt und Schlussfolgerungen gezogen werden. Wenn jede Gruppe eine leicht modifizierte Variante des Experimentes durchführt, z.B. die Einwaage variiert, können schnell ganze Ergebnisreihen erzeugt werden, die durch den Blog allen in einfacher Form zugänglich gemacht werden können.
Dadurch, dass mit Hilfe des Blogs die Ergebnisse und Kommentarmöglichkeit mit nach Hause genommen werden können, ist die Diskussion und die Beschäftigung mit dem Thema nicht nur auf die Unterrichtsstunde beschränkt, sondern die Schüler können sich sofort, wenn Fragen oder Ideen aufkommen, an die Mitschüler wenden.
Zusätzlich stellt der Blog eine gute Methode zur Ergebnissicherung da. Gerade bei Gruppenarbeiten kommt es häufig vor, dass nicht alle Schüler alle Notizen in ihre Unterlagen übertragen haben und vor allem die Ergebnisse der anderen Gruppen nur spärlich und evtl. fehlerhaft notieren. Durch das Einstellen der Versuchsbeschreibungen ist gewährleistet, dass alle die gleichen Informationen haben.
Social Media Guidelines
Vor der Nutzung des Blogs müssen Social Media Guidelines mit den Schülern entwickelt und beschlossen werden. Nur so ist sicheres und rechtlich unbedenkliches Arbeiten mit dem Internet und dem Blog möglich. Mögliche Social Media Guidelines für den Einsatz im Chemieunterricht (im Seminar entwickelt):
- Respektiere deine eigene Privatsphäre:
* Überlege dir vorher, ob du einen Beitrag oder ein Foto veröffentlichen willst. Das Internet vergisst nie und Beiträge können, selbst wenn sie gelöscht wurden, Jahre später noch eingesehen werden.
* Gebe niemals deine persönliche Daten im Internet ein! Du weißt nie, wer sie für welche Zwecke benutzt!
- Respektiere die allgemeingültigen Urheberrechte:
* Übernimmst du Ideen, Texte, Bilder von anderen, dann mache das kenntlich. Nenne zumindest den Autor. Das gleiche gilt für Werke, die du im Internet findest. Informiere dich, ob sie urheberrechtlich geschützt sind, bevor du sie verwendest.
- Die Schulordnung gilt auch im Internet:
* Wenn du am Schulblog teilnimmst, akzeptierst du die Schulregeln. Die Schule ist ein Ort des Lernens und des Miteinanders, das gilt auch für den Schulblog. Respektiere die allgemeinen Umgangsformen, auch in Bezug auf das Lehrpersonal.
*Wenn du dich im Schulblog negativ verhälst, so ist das als würdest du dich in der Schule daneben benehmen! Dies kann und wird in deiner Schulakte vermerkt und gegebenenfalls auch mit einem Schulverweis geahndet!
Zeitlicher Rahmen / Wann kann ich ein Projekt mit Blogs im Chemieunterricht durchführen:
Da Blogs in der Nutzung selbst zwar relativ wenig Zeit beanspruchen, die notwendige Einarbeitung und das Erlernen der notwenigen „Handgriffe“, in Abhängigkeit von Vorkenntnissen, jedoch sehr aufwändig sein können, muss dies in der Planung berücksichtigt werden. Die Einarbeitungszeit betrifft sowohl Schüler als auch Lehrer, da trotz der Verbreitung des Internets nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle schon einmal mit einem Blog zu tun hatten. Vermutlich wird dies sogar die Minderheit sein. Zur Vorstellung des Blogkonzeptes, zum Erlernen des richtigen (technischen) Umgangs und der Entwicklung der Social Media Guidelines, werden mehrere Stunden benötigt. Ohne praktische Erfahrung hiermit, würde ich 10 Schulstunden für diese Schritte veranschlagen. Die Lehrpläne erlauben es jedoch nicht, sich 5 Wochen (bei üblichen 2 Wochenstunden Chemieunterricht) mit einem nichtchemischen Thema zu beschäftigen.
Zwei Lösungsmöglichkeiten für das Problem:
- Das Projekt findet in Kooperation mit dem Fach Informatik statt. Die notwendigen technischen Grundlagen und der Umgang mit Blogs wird im Informatikunterricht thematisiert und behandelt. Im Chemieunterricht wird der Blog anschließend nur genutzt. Gegebenfalls kann auch parallel zur Nutzung im Chemieunterricht die Arbeit mit Blogs im Informatikunterricht vertieft werden.
- Das Projekt findet im Rahmen einer Projektwoche statt, wo mehr Zeit zur Verfügung steht. Auch hier ist eine Kooperation mit dem Informatikunterricht möglich, aber nicht zwingend erforderlich.
Welche Probleme können darüber hinaus auftreten?
- Falls nicht jeder Schüler über einen privaten Internetzugang verfügt, muss die Schule entweder frei zugängliche Computerräume bereitstellen oder idealer Weise Netbooks an die Schüler herausgeben, an denen die Schüler zuhause arbeiten können und dann die Ergebnisse, z.B. über das WLAN der Schule, ins Netz stellen können.
- Auch wenn viele Schüler heutzutage das Internet intensiv nutzen, kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass alle vom neuen Medium Blog begeistert sind. Hier ist evtl. etwas Überzeugungsarbeit zu leisten, allerdings sind auch nicht alle Schüler von den herkömmlichen Methoden begeistert. Es wird also nicht möglich sein, es allen Recht zu machen. Es sollten jedoch auch die Eltern vorher über das Projekt und seine Vorteile informiert werden (fachliche Vorteile und „sinnvolle Nutzung“ des Internets), da sonst die Gefahr besteht, dass sich Eltern beschweren, dass ihre Kinder eh schon so lange vor dem Computer sitzen und nun dies durch die Schule noch gefördert wird.
Veröffentlichung?
Während der Durchführung des Projektes im Chemieunterricht sollte der Blog nur für die teilnehmenden Schüler und die zuständigen Lehrer zugänglich sein. Eine spätere Veröffentlichung ist möglich, nachdem der Lehrer die Beiträge auf inhaltliche, formale, sprachliche und rechtliche Richtigkeit überprüft hat.
3. Fazit
Der Einsatz von Blogs im Chemieunterricht erfordert anfangs einige Anstrengungen, da sich sowohl der Lehrer als auch die Schüler zu Beginn des Projektes intensiv mit dem Thema Blog auseinandersetzten müssen. Wenn dies nicht in einer Projektwoche oder in Kooperation mit dem Informatikunterricht möglich ist, bedeutet dies viel zusätzliche freiwillige Arbeit. Wenn die Grundlagen jedoch erst einmal geschaffen sind, bietet ein Blog eine gute Kommunikationsplattform, die den Austausch von Informationen sogar erleichtert und die Ergebnisfindung begünstigen kann.
Neben den Vorteilen für den Unterricht bieten der Einsatz von Blogs den Vorteil, dass Blogs der Lebenswelt der Schüler entspringen und so Motivationsanreize setzten können.
Vielleicht ist es anfangs mehr das Interesse am Bloggen, das die Schüler zu einer aktiven Mitarbeit motiviert, eine intensivere Auseinandersetzung mit den fachlichen Inhalten folgt jedoch zwangsläufig. Blogs im Bildungskontext sind also auf jeden Fall einen Versuch wert.