Seminar-Blog zum Thema Friluftsliv

1. Einleitung

von Marco Heßdoerfer

Ziel unseres Seminars ist es, eine Idee zu spinnen, wie man ein Blog sinnvoll im Bildungsbereich einsetzen könnte und diese Idee in ein feines Beispiel zu verwandeln. Da ich im Verlauf meines Sportstudiums die ein oder andere Exkursion erlebe und sich die Vor- und Nachbereitung oftmals doch in leider nur in ein oder zwei Treffen der Teilnehmer verlieren, bietet insbesondere die Koordination und Themenvertiefung ein großes Verbesserungspotential. Am Beispiel eines norwegischen Bewegungskonzepts (Lagerstroem/ Liedtke 2004) und dessen praktische Erkundung vor Ort – sprich Exkursion – möchte ich ein Blog-Szenario spinnen.

2. Die Lerngruppe

Es handelt sich um ein studentisches Seminar mit ca. 20 Studenten und einem Dozenten aus dem Bereich Bewegungswissenschaften.

 

3. Autoren des Blogs

Die Studenten sowie der Dozent sind die Autoren des Blogs. Beide Seiten können Einträge und Inhalte erstellen, kommentieren und das Blog mitgestalten. Der Dozent (kann aber auch ein interessierter Student sein) erstellt das Blog und gibt Einträge und Inhalte frei. In Anlehnung an das Stufenmodell zur Schülerpartizipation in Unterrichtsblogs von adesigna bzw. APPELT ist das Blog auf der fortgeschrittenen Stufe des gemeinsamen Arbeitens von Lehrperson und Schüler angesiedelt.[1] Ziel ist es folglich nicht, dass jeder Student ein eigenes Blog entwirft, sondern das Seminar ein gemeinsames Blog gestaltet.

Den organisatorischen Rahmen bildet die Universität Hamburg oder evtl. der Fachbereich Bewegungswissenschaften.

 

4. Begründung für den Einsatz des Blogs

Ein Blog bietet die Möglichkeit,…

▪ eine strukturierte, übersichtliche und vernetzte Projekt-/ Exkursionskoordination zu schaffen;

▪ sich mit dem Bildungsinhalt „Friluftsliv“ auseinanderzusetzen und das norwegische Bewegungskonzept wissenschaftlich zu erarbeiten;

▪ eine Konzeptentwicklung zu unterstützen, zu strukturieren, zu veranschaulichen und zudem für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Weiterführende Ideen für die Umsetzung von Friluftsliv in Deutschland bzw. in Stadtgebieten können einen kreativen Beitrag zur Forschung in der Bewegungswissenschaft leisten;

▪ dass auch die Studenten untereinander auf Inhalte anderer Beiträge eingehen zu können, die sonst vielleicht höchstens nur dem Dozenten zugänglich wären. So können alle gleichsam voneinander profitieren;

Berührungsängste mit neuen Medien abzubauen, welche Studenten eventuell um ein sinnvolles und hilfreiches Arbeitsmedium bringen würden. Gerade im Bereich der Gesundheitsförderung nehmen die pädagogische Arbeit sowie das Erreichen möglichst vieler Menschen einen hohen Stellenwert ein. Ein Blog kann hierbei wertvolle Unterstützung bieten;

▪ sich intensiv mit einem verantwortlichen Medienumgang auseinanderzusetzen. Das Erstellen von seminarspezifischen Media Guidelines regt zur intensiven Reflexion des eigenen Medien-Verhaltens an;

steten Informationsfluss zu schaffen, auch wenn ein persönliches Erscheinen im Seminar mal nicht möglich ist;

▪ jeden einzelnen Studenten zu beteiligen und zu fordern;

▪ dass sich die Studenten untereinander Rückmeldung und Hilfestellung geben können. Durch die Möglichkeit der Selbst- und Mitbestimmung kann die Motivation erheblich gefördert werden.

 

5. Konzeption des Blogeinsatzes

5.1 Zeitliche Gestaltung der Blogarbeit

Zu Beginn des Seminars wird das norwegische Bewegungskonzept „Friluftsliv“ wissenschaftlich erarbeitet. Textgrundlagen können in Form von Blogeinträgen zusammengefasst und unter spezifischen Fragestellungen bearbeitet werden. Erste Ideen, wie das Konzept alltagsfähig und in Stadtgebiete übertragbar gemacht werden könnte, werden entwickelt und im Blog allen Studenten zugänglich gemacht.

Zeitlich zur Mitte des Seminars hin findet eine 9-tägige Exkursion nach Norwegen statt, die vorab organisatorisch geplant und im Blog strukturiert wird:

× An- und Abreise (Autos, Fähre, Mobilität vor Ort,…),

× Ablaufplan,

× Materialien (Materialliste, wer bringt was mit?, was muss noch besorgt werden?),

× Einteilung von weiteren Arbeitsgruppen, die auch vor Ort zum Einsatz kommen (Dokumentation, Verpflegung, Abendgestaltung etc.),

× Entwurf einer Tagebuch- bzw. Protokollstruktur.

Während der Exkursion wird Tagebuch/ Protokoll geführt, welche anschließend im Blog veröffentlicht werden. Hierfür werden die 9 Exkursions-Tage unter den Teilnehmern aufgeteilt und von diesen nach der Rückkehr online gestellt. Die Studenten können die Einträge über Kommentare ergänzen.

Im Anschluss an die Exkursion findet die Aufarbeitung des Erlebten statt. Zudem soll das Bewegungskonzept Friluftsliv im Sinne seiner Übertragbarkeit weiterentwickelt werden.

× Die Tagebucheinträge werden veröffentlicht,

× das Dokumentationsteam erstellt ein digitales Fotoalbum, in dem ausgewählte und mit den Teilnehmern abgesprochene Fotos und Videos im Blog hochgeladen werden (evtl. einen kurzen Film erstellen),

× Material- und Einkaufslisten werden für nachfolgende Exkursionsgruppen reflektiert und kommentiert (was war nützlich? Was haben wir nicht gebraucht? Was fehlte?).

× Zukunftswerkstatt zum Thema Friluftsliv in Deutschland / Friluftsliv im Alltag

 

5.2 Studentische Gestaltung der Blogarbeit

Um die Mitarbeit der Studenten gewährleisten und den Erfolg des Blogeinsatzes überprüfen zu können, müssen gewisse Anforderungen und Aufgaben formuliert werden. Zudem wird im Bildungskontext häufig die Bewertung bzw. Benotung der seitens der SchülerInnen oder Studenten erbrachten Leistung gefordert. Um diesem Rahmen gerecht zu werden, könnte eine Art quantitativen Kriterienkatalog entworfen werden, der im Folgenden exemplarisch dargestellt wird.

Es werden seminarbegleitend Hausaufgaben erteilt, die von den Studenten zu erledigen sind:

Vor der Exkursion:

× Organisation und Koordination der Exkursion,

× Erarbeitung des wissenschaftlichen Hintergrunds des Friluftslivkonzepts

Während der Exkursion:

× Dokumentation durch Fotos, Filme, Tagebuch/ Protokollierung

Nach der Exkursion:

× Veröffentlichung der Dokumentation,

× Entwicklung einer Zukunftswerkstatt (Ideensammlung für die Umsetzung von Friluftsliv in Deutschland, im Alltag und in Stadtgebieten),

× Projektentwicklung im Rahmen des Masterstudiengangs Gesundheitsforschung /-förderung: Bewegter Alltag / natürlicher Alltag. In den Seminarsitzungen können Ideen in Kleingruppen gesammelt und entwickelt werden, die anschließend von diesen ins Blog gestellt werden. Die Einträge können von allen Teilnehmern kommentiert werden.

Neben dieser quantitativen Überprüfung sollten zusätzlich qualitative Beurteilungskriterien vorliegen, um das Arbeitsniveau reflektieren zu können. Für ein exemplarisches Beispiel, an welchen Rubriken sich diese orientieren könnten, habe ich mich von Lehrerfreund inspirieren lassen. Die Kriterien könnten sich an den folgenden, beispielhaften Fragen orientieren und müssen selbstverständlich transparent sein:

• arbeitet der Student selbstständig und freiwillig oder bedarf es wiederholter Aufforderung?

• beschränken sich die Beiträge auf die bloße Wiedergabe von Fakten oder werden auch eigenständig Bezüge zu anderen Gebieten hergestellt?

• wird sachgerecht und inhaltlich richtig gearbeitet?

• ist die sprachliche Darstellung angemessen, klar und korrekt?

• wird das Konzept Friluftsliv in einen größeren Zusammenhang (Thema Gesundheitsförderung, Bewegungstherapie,…) gebracht?

• werden Probleme erkannt und reflektiert? Finden sich sogar Gedanken zur Problemlösung?

• geht der Student in seinen Kommentaren und Rückmeldungen inhaltlich auf die Beiträge anderer ein und begründet seine Sicht oder wird lediglich unbegründet bewertet?

 

6. Schwächen und Probleme des Blogs

Neben den zahlreichen Stärken und Chancen dieser Form der Bildungsarbeit (s. Kap. 4) sind dennoch auch Probleme zu erwarten. So könnte es sich als Schwierigkeit erweisen, eine gleichmäßige Beteiligung aller Studenten zu gewährleisten. Dieser Problematik könnte man dadurch begegnen, dass Hausaufgaben so gestellt und formuliert werden, dass jeder Student Einträge sowie Kommentare erstellt. Im wissenschaftlichen Rahmen sollen z.B. zu gleichen Themen jeweils Essays von den einzelnen Studenten erstellt und in Einträgen veröffentlicht werden (z.B. Erwartungen an Exkursion, kritische Reflektion des norwegischen Friluftsliv-Konzepts im Kontext seiner möglichen Übertragbarkeit).

Um die Möglichkeit der gegenseitigen Reflexion und des studentischen Feedbacks der Teilnehmer zu realisieren, muss gewährleistet werden, dass jeder Student die Blogeinträge liest. Dies könnte z.B. durch eine vorab (gemeinsam) festgelegte Anzahl an erforderlichen Kommentaren umgangen werden, die jeder Student pro HA mindestens erreichen muss.

Eine weitere Schwierigkeit könnte darin bestehen, einen gleichen bzw. ähnlich großen und gerecht verteilten Arbeitsaufwand der unterschiedlichen Gruppen zu gewährleisten (z.B. Dokumentation vs. Materialliste in der Nachbereitung). Allerdings könnte dies durch eine angemessene Gestaltung der Gruppengrößen beeinflusst werden.

Desweiteren muss das Thema Datenschutz diskutiert werden. Insbesondere in Bezug auf die Dokumentation wäre es denkbar, dass Studenten gegen die Veröffentlichung von Fotos, Videosequenzen etc. sein könnten. Vor dem Hochladen dieser Dateien müssten demnach die ausgewählten Bilder im Rahmen des Seminars zusammen besprochen und von allen Studenten genehmigt werden. Das Erstellen des Materials könnte zudem unter bestimmten Auflagen geschehen (Schwerpunkt auf nonpersonale Motive oder Gruppenbilder, keine intimen Fotos etc.).

Abschließend stellt sich die Frage, in welcher Form das Blog nach Beendigung des Seminars bestehen bleibt und genutzt wird. Für nachfolgende Semester, die den gleichen Zielen nacheifern, könnte das Blog die eigenständige Erarbeitung von Inhalten und Beiträgen erschweren, da bereits diskutierte Inhalte übernommen oder lediglich wiederholt werden könnten. Zudem ist zu erwarten, dass nach Ende des Semesters und damit auch dem Ende des Seminars zugleich das aktive Bloggen der Studierenden endet. Um den Stillstand des Blogs zu verhindern könnten die entwickelten Projektideen nun zum Anliegen des Postens gemacht werden. Da Projektarbeit im Rahmen des Studiums Bewegungswissenschaften (Gesundheitsforschung) einen zentralen Bestandteil darstellt, können die Blogergebnisse fruchtbar in anschließende Studieninhalte einfließen. Die Projektkonzepte sowie deren Koordination, Durchführung und Evaluation erweitern dann den Bildungsinhalt des Friluftsliv-Blogs.

 

7. Fazit

Die vorangegangene Diskussion der Stärken und Schwächen des Blogeinsatzes im (universitären) Bildungskontext zeigt meines Erachtens die mögliche Vielfalt und das Potenzial dieser Arbeitsform auf. Zugleich wird aber auch deutlich, dass der Einsatz gut durchdacht und geplant sein muss, um ihn sinnvoll in die Seminararbeit integrieren zu können bzw. diese maßgeblich zu gestalten. Die Blogform erlaubt zudem ein fächerübergreifendes bzw. interdisziplinäres Arbeiten im Rahmen der Projektarbeit des Studienfachs Bewegungswissenschaften (Gesundheitsforschung). Sie bietet nicht nur die Möglichkeit einer produktiven Exkursionsgestaltung und Nachbereitung, sondern kann durch die aktive Konzeptentwicklung und deren Dokumentation einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zum Bereich der Gesundheitsförderung und-forschung leisten.


[1] http://www.flickr.com/photos/adesigna/4699514902/in/set-72157624268204218/ (letzter Zugriff am 22.06.2011)

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2 Comments

  1. Ich mag solche Layouts. Nicht so uebertrieben, dafuer Benutzerfreundlich. Gut ausgesucht!

  1. Was war und was kommt | Blogs im Bildungskontext

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