Das freie Spiel

Ich habe in diesem Seminar einiges über verschiedene Spielarten erfahren und gelernt. Doch ein Aspekt wurde meines Erachtens nicht berücksichtigt: das freie Spiel, welches meiner Meinung nach mit zu den wichtigsten Spielformen für die Entwicklung von Kindern gehört.
In der heutigen Gesellschaft geht es zum einen immer mehr darum, dass Kinder möglichst früh möglichst viel leisten müssen. Die Bildungsangebote für Kinder nehmen immer mehr zu. Hierzu zählt beispielsweise auch der Englischunterricht im Kindergarten. Aufgrund des immer größer werdenden Leistungsdrucks in der heutigen Gesellschaft haben viele Eltern Angst, dass ihr Kind später nicht mithalten kann und „untergehen“ könnte. Aus diesem Grund möchten sie ihre Kinder möglichst früh und möglichst gut fördern. Doch dadurch sind sie oftmals nicht mehr in der Lage die wirklichen Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen (vgl. Zimpel, 2011, S.7). Der Druck auf die Eltern ist so groß, dass sie teilweise übersteigerte Bildungsansprüche entwickeln und dadurch eine kindgemäße Entwicklung verhindern (vgl. Zimpel, 2011, S.10). Eltern übersehen oftmals, dass Lernen nur dann erfolgreich sein kann, wenn es in kindgemäße Spiele einfließt.
Auf der anderen Seite steht die Entdeckung der Kinder als Konsumenten. Dies hat sich die Spielzeugindustrie zu Nutze gemacht. Kinderzimmer sind in vielen Fällen „vollgestopft“ mit Spielzeug, so dass es den Kindern kaum mehr möglich ist, sich auf ein Spiel zu konzentrieren. Sie sind regelrecht überfordert und können auch gar nicht mehr entscheiden, mit welchem Spielzeug sie spielen möchten. Sie sind auch kaum in der Lage sich auf einen der Gegenstände zu konzentrieren, da sie von den anderen abgelenkt werden. Das liegt daran, dass Spielzeug immer einen hohen Aufforderungscharakter für Kinder haben (vgl. Zimpel, 2011, S. 9-10). Dabei brauchen Kinder eigentlich nicht unbedingt extra für sie angefertigtes Spielzeug. Oftmals suchen sich Kinder selber Gegenstände, die sie dann für ihr Spiel umfunktionieren. Somit wird beispielsweise aus einem Stock ein Pferd, da Kinder sehr viel Fantasie in ihr Spiel stecken. Zuviel Spielzeug bedeutet also auch, dass die Fantasie der Kinder nicht mehr angeregt wird und dadurch der eigentliche Effekt des Spiels ausbleibt (vgl. Zimpel, 2011, S.10).
„Kinder haben das Recht über einen möglichst großen Teil ihrer Zeit selbst zu verfügen. Diese Zeit werden sie weitgehend mit Spiel füllen.“ (s. Pausewang, 2010, S. 38). Damit Kinder sich wirklich in ihr Spiel vertiefen können, brauchen sie Zeit und Raum. Sie dürfen nicht unter Zeitdruck stehen und ihr Spiel sollte von Erwachsenen wertgeschätzt werden (vgl. Pausewang, 2010, S. 38).
Das freie Spiel ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Kinder. Das Spielen der Kinder fördert die Entwicklung der Fantasie. Kinderspielzeug dient „nur“ als Gedächtnisstützen (vgl. Zimpel, 2011, S. 10). Zusätzlich fördert das freie Spielen, dass Kinder lernen sich selbst etwas auszudenken, etwas selbstständig zu entdecken, etwas aus sich selbst heraus gestalten, die eigenen Fähigkeiten zu erproben, aus sich selbst heraus zu handeln und noch vieles mehr. Die Kinder können im freien Spiel ihrer Entdeckung- und Gestaltungslust unbekümmert nachgehen (vgl. Zimpel, 2011, S. 8). Kinder lernen sich selbst im eigenen Handeln und im Handeln mit anderen kennen. Werden ihnen diese Erfahrung vorenthalten, behindert man die Entfaltung der in den Kindern angelegten Potenziale, denn „nur dort, wo Kinder frei und unbekümmert spielen können, haben sie Gelegenheit, die in ihnen angelegten Potenziale zu entfalten“ (s. Zimpel, 2011, S. 8).
Kinder können überall spielen und das tun sie auch, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt und sie frei spielen lässt. Durchaus lernen sie auch in ihrem freien Spiel. Beispielsweise lernen sie sich in andere Rollen zu versetzen, Regeln und Grenzen aufzustellen und einzuhalten, das Miteinander mit anderen (wenn sie in einer Gruppe spielen) und auch Fairness und Rücksicht anderen gegenüber. Diese Mechanismen geschehen automatisch im Spiel, ohne dass ein Erwachsener von außen darauf einwirken muss. Andererseits ist es auch wichtig, dass man Kinder nicht einfach ihrem Spiel überlässt, denn sie brauchen manchmal einfach die Unterstützung von Erwachsenen. So ist es beispielsweise wichtig, dass darauf geachtet wird, dass sich kein Kind in Gefahr bringt. Desweiteren kann der Erwachsene Spielmaterial zur Verfügung stellen, wenn danach gefragt wird (vgl. Pausewang, S. 2010, S. 40). Erwachsene sollten das Spiel der Kinder ernst nehmen, denn die Kinder nehmen ihr Spiel so ernst, wie Erwachsene ihre Arbeit ernst nehmen (vgl. Zimpel, 2011, S. 77).
Kindern sollte man Zeit und Raum geben, damit sie frei und unbekümmert spielen können. Dennoch darf man nicht außer Acht lassen, dass es gleichzeitig wichtig ist, Kindern Regeln und Grenzen zu setzen. Denn auch Regeln und Grenzen sind wichtig für die Entwicklung der Kinder. Es sollte eine Balance zwischen der Ermöglichung des freien Spiels sowie festen Strukturen gegeben werden. Man sollte Kindern einfach die Zeit und den Raum geben, denn sie brauchen, um sich frei entfalten zu können.

Literatur
– Pausewang, Freya: Den Kindern Zeit geben. Die Wertschätzung des Freispiels.
In: Klein & groß, 63 (2010) 9, S. 38-41.
– Zimpel, André Frank: Lasst unsere Kinder spielen! Der Schlüssel zum Erfolg.
2011, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

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