Nachtrag zur Sitzung am 25.10.2011

  1. Ergebnisse zur Sitzung
  2. Zu den Mikropräsentationen
  3. Texte zur nächsten Sitzung

1. Ergebnisse zur Sitzung

Die wichtigsten, selbstgewählten Spielmerkmale aus der Sitzung

  • Freiwilligkeit – Freiwilligkeit – Freiwilligkeit
  • Spielregeln – Spielregeln – Regeln, auch zum Brechen und Manipulieren
  • Motivation (sowohl extrinsisch befohlen als auch intrinsisch aus Interesse, Freude, Neugier etc.)
  • Gerechtigkeit und Gleichberechtigung im Spiel; keiner wird benachteiligt, jeder hat Gelegenheit und/oder die Chance, das Spiel zu gewinnen oder seine Rolle darin zu wählen.
  • Abgeschlossenheit in Zeit und Raum
  • Scheinhaftigkeit (Scheuerl), eine Abgesetztheit zur Realität, gleichzeitig ein ästhetischer Gestaltungsraum des eigenen Handelns, der im Rahmen der (selbstgeschaffenen oder angenommenen) Regeln des Spiels stattfindet.

Wie bereits gesagt: Die Spieltheorien entwickeln sich weiter mit den soziokulturellen und technischen Bedingungen, unter denen gespielt wird. Sie sind diesen Bedingungen einerseits unterworfen, Sie können sie aber durch Setzungen auch mitgestalten. Achten Sie also darauf – im Sinne einer prinzipiell unentscheidbaren Frage (s. Heinz v. Foerster, „Ethik und Kybernetik zweiter
Ordnung.“
) – dass eine Bewertung, was ein gutes Lernspiel ist (oder wie man eines gestaltet), auch von Ihrer Entscheidung abhängt, welche Merkmale ein gutes Lernspiel haben sollte!

Ein gutes Zitat dazu:

“Each person defines games in his own way – the anthropologists and folklorists in terms of historical origins; the military men, businessmen, and educators in terms of usages; the social scientists in terms of psychological and social functions. There is overwhelming evidence in all this that the meaning of games is, in part, a function of the ideas of those who think about them.”
– E.M. Avedon in “The Structural Elements of Games” in “The Study of Games”, Sutton-Smith and Avedon, Eds., New York 1971, p.438

Ungeklärte Merkmale und offene Fragen

  • Spiel und Arbeit / Alltag: Wo sind die Grenzen?
  • Spiel ist eine Alltagsunterbrechung – aber wo hört der Alltag auf? Spiele reichen heute in den Alltag hinein (z.B. Facebook-Spiele wie ‚Farmville‘, Gemeinschaften in ‚World of Warcraft‘) bzw. Alltag setzt sich in Spielen fort (Lernspiele und Gamification z.B.).
  • Müssen Spiele Vergnügen bereiten – oder nicht?
  • Wie (bzw. was und wo) lernt man im Spiel?

Behalten Sie diese Fragen im Kopf (und auch solche, die hier vielleicht nicht aufgeschrieben worden sind – kommentieren Sie diesen Artikel damit!).

Woran erkennt man “Spiel”?

Eine Definition von “Spiel” kann weder umfassend noch eindeutig oder objektiv beantwortet werden – was nicht heißen soll, dass sie nicht beantwortet werden kann oder sollte. Die Frage “Was ist Spiel?” gehört zur Kategorie der prinzipiell unentscheidbaren Fragen (Heinz von Foerster), die individuell entschieden werden (müssen), und manchmal mehr über die jeweiligen Antwortenden, ihre Kultur oder ihren individuellen Blickwinkel aussagen können, als über den Sachverhalt selbst.
“Spiel” ist bis heute ein Begriff im Fluß, dessen Bedeutung weiter ausgehandelt wird.

Wie nähern sich Forscher dem Problem?

‘Klassische’ Spieltheorien versuchen prinzipiell drei Fragen zu beantworten:

  • Woran erkennt man Spiel/Spiele/Spieler?
    (Merkmale, die für alle Spiele bzw. jede Art des Spielens gelten)
  • Warum spielt man?
  • Welche Arten von Spiel/Spielen/Spielern gibt es?

Die Antworten können separat erfolgen, implizit die anderen Fragen mit einschließen oder zusammen ein integriertes Theoriegebäude ergeben.
Die Forscher werden außerdem eine Verknüpfung der Antworten mit ihrem üblichen Forschungsgegenstand herzustellen versuchen, (z.B. Didaktik, Entwicklungspsychologie, Soziologie, Mathematik, Wirtschaft, Militär, Computerspiele, Spieldesign, Literaturwissenschaft, Kunst etc.), sich auf verwandte Ideengebäude anderer Forscher stützen bzw. diese zu diesem Zweck interpretieren.
Spieltheoretische Ansätze können “Spiel” so auch als nicht-eigenständiges, bedingtes Phänomen ansehen (z.B. der späte Piaget für die kognitive Entwicklung) oder es als Metapher für eine bestimmte Art des menschlichen Handelns nutzen (z.B. von Neumann für zweckrationales Handeln in der ökonomisch-mathematisch orientierten Spieltheorie).

Die für mich zur Zeit wichtigsten Spielmerkmale – die aber nicht allen Spielen zu eigen sind – sind:

  • Perspektivwechsel und Kontextualisierung
  • Sicherheit und Distanz
  • Expressivität, Entscheidung und Konsequenz
  • Wiederholbarkeit, Scheitern als Informationsquelle, Mapping
  • Systemisches Handeln
  • Veränderbarkeit, Umdeutbarkeit, Metamedialität

2. Zu den Mikropräsentationen

  • Suchen Sie das Thema und die Gestaltung nach dem Gesichtspunkt aus: Was wäre interessant für das Seminarthema? Was würde ich mir selbst wünschen, dazu zu erfahren, wenn ich es noch nicht wüßte?
  • Halten Sie sich an die zeitliche Begrenzung von 5 bis max. 10 Minuten (1-2 Minuten für Rückfragen inklusive). Nutzen Sie bei zwei oder drei Referenten die Zeit nicht bis an die äußerste Grenze aus, bleiben Sie dann eher bei 15 bzw. 20 Minuten! Diese Komprimierung ist eine echte Herausforderung; unterschätzen Sie nicht das kleine Format: Kurz und auf den Punkt!
    (Exzellentes, spannendes Beispiel: Will Wright, „Die Sims“-Erfinder: Gaming is a form of time travel (3:56))
  • Sie können Medien nutzen (Powerpoint o.Ä.), aber auch Sachen/Spiele mitbringen, Bilder zeigen etc. Halten Sie ein ‚virtuelles Handout‘ in Form eines Blogbeitrags bereit – dies kann, wenn es gut gestaltet ist, auch gleichzeitig die Präsentation visuell begleiten, so dass später per Kommentar nachgefragt oder angemerkt werden kann und nicht alles dem Vergessen anheim fällt.
    Tipp: Mit www.slideshare.net lassen sich Präsentationen ins Internet hochladen und verlinken (z.B. http://www.slideshare.net/weyhantan/weyhan-tan-seminareinfhrung)

Die Termine sind mittlerweile alle vergeben.
Bin gespannt auf die Ideen und die Umsetzung!

3. Texte zur nächsten Sitzung am 01.11.

  • Brian Sutton-Smith (1978): “Die Dialektik des Spiels. Eine Theorie des Spielens, der Spiele und des Sports.”, S.97-102
    (Optional dazu: S.65-96)
  • Oerter, Rolf: Psychologie des Spiels. QuintEssenz-­‐Verlag, München 1993, S.172-179

Bitte lesen; Texte stehen wie üblich im Materialordner „Spiel“ im EduCommSy-Raum

Wey-Han Tan

Über Wey-Han Tan

Ich habe bis 2012 das eLearning-Büro der Fakultät EPB geleitet, lehre im Rahmen von Lehraufträgen in Hamburg, Köln und Helsinki. Seit 2012 bin ich im Universitätskolleg der UHH, Teilprojekt 32 - "Mentorenbegleitetes, akademisch-wissenschaftliches ePortfolio" beschäftigt. Thematisch kreist mein Interesse um Spiele im weitesten Sinne, in Kombination mit Kunst, Kultur und Bildung. Spiele, als dynamische Abbildungen, waren schon immer faszinierend für mich: Aus einfachen Regeln erwachsen komplexe Spielhandlungen, aus einfachen Geschichten ergreifende Dramen.
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