Essay Alexander Ratzmann

Grüß Gott zusammen,

mein Name ist Alexander – kurz: Alex.

Ich studiere aktuell im 5. Semester Sport- und Bewegungswissenschaften mit Nebenfach Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Davor habe ich bereits ein Grundschullehramtstudium in den Fächern Sport und Geographie mit dem 1. Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen. Da mir eine anschließende Promotion in der Sportwissenschaft verwehrt wurde, da die fachliche tiefe im Lehramtsstudium zu gering sei, trat ich somit mein Zweitstudium an. Anschließend möchte ich in der Sport- und Bewegungspädagogik/ Sportdidaktik promovieren.

Ich arbeite seit nunmehr 12 Jahren kontinuierlich mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Derzeit bin ich Cheftrainer in einem größeren Tennisverein. Im Rahmen dieser Tätigkeit entwarf ich bereits 2 Bewegungsspielekonzeptionen in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Sport und Motologie (Uni Marburg). Das eine Spielekonzept heißt „Abenteuerspielplatz Rückschlagspiele“ und richtet sich an 4-10 Jährige Kinder. Innerhalb dieses Konzeptes werden zentrale Aspekte aller Rückschlagspiele induktiv gelehrt und gelernt. Jene Aspekte sind in bewegungsverwandte Bewegungsspiele transformiert worden, welche größtenteils von den Kindern gestaltet und mitentwickelt worden. Anhand vieler Mechanismen des Modelllernen entsteht bei den Kindern aus intrinsischem Antrieb heraus das Bedürfnis Hockey, Tennis u.ä. in ihrer Ganzheitlichkeit zu lernen ohne dass ihnen im Gegensatz zu den klassischen, sportartspezifischen, bewegungsnormierenden Ausbildungen eine exakte Form vorgeschrieben wird. Letztendlich zählt die Funktion und der Sinn von Bewegung und genau jener wird gelehrt. Dies passiert nicht von außen, sondern vom Kind ausgehend, denn dieses stößt in unserer materiellen Bewegungslandschaft unweigerlich auf etliche motorische Problemstellungen um gewisse Handlungen und Wünsche zu realisieren. Wir pädagogen treten in diesem Kontext lediglich als Vermittler zwischen Kind und „Sache“ auf. Ein kindgerechter Lernweg eines komplexen, sportiven Handlungsfeldes.

Die zweite Konzeption, jene bereits seit 2 Jahren Bestandteil des Vereinslebens geworden ist, thematisiert den rückläufigen Trend im Tennissport. Es nennt sich „Freestyle Tennis“ und ist ein ortsungebundenes freies Spielekonzept mit Schläger und Ball.

Beispiel?!

Die Jugendlichen thematisieren mit und durch die Szenerie und Darstellung verschiedenster Tricks mit Schläger und Ball ihre eigene Weltanschauung und offenbaren somit Haltungen, Kritik und Meinungen. Auf Grund des offenen, projektorientierten Gestaltungs- und Vermittlungscharakter stehen zahlreiche pädagogisch wertvolle Auseinandersetzungsprozesse an der Tagesordnung. Am Ende entstehen Videos mit den Kindern als Protagonisten. Die letztendlich resultierenden Ergebnisse sind formungebunden und offerieren somit einen neuen und innovativen Zugang zum Tennissport, welcher dem klassischen normativen und handlungszentrierten Tennis komplementär begegnet. Die Gesamtfassung dieser Konzeption wird im Rahmen meiner BA- Arbeit entstehen. Derzeit läuft dieses Projekt als Ganztagsschulangebot an der GHS in Wedel und wurde als meistgewähltes Projekt ausgezeichnet.

Der Kurs „Spielend lernen?“ offeriert mir die Möglichkeit weitere evtl. noch unbekannte Aspekte für mich und meinen weiteren Werdegang mitzunehmen. So freue ich mich auf viele interessante Inputs und Denkanstöße. Ahoi…

alexanderratzmann

Über alexanderratzmann

Alexander - kurz: Alex. So werde ich seit jeher genannt.... Nach dem Abitur studierte ich an den Universitäten Marburg a. d. Lahn und Hamburg Sport und Erdkunde auf Grundschullehramt. Ich arbeite seit meinem 15 Lebensjahr mit Menschen. Insbesondere mit Kindern und Jugendlichen. Als lizenzierter Tennis- und Skilehrer tauche ich somit täglich in die Spären jugendlicher Spielkultur ein...
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1 Response to Essay Alexander Ratzmann

  1. Wey-Han Tan Wey-Han Tan sagt:

    Ihr „Abenteuerspielplatz Rückschlagspiele“ ist eine großartige Metapher, um traditionelle Ballspiele ‚auseinander zu nehmen‘, mit Regeln, Zielen und Begrenzungen zu spielen und wieder neu zusammen zu setzen.
    Es erinnert mich ein wenig an solche Ansätze wie „Urban Golf“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Urban_golf) oder FußballGolf (http://www.worldfootballgolf.com), wobei Spielmechaniken verschiedener Sportarten zusammengeführt oder aus dem üblichen ‚Spielfeld‘ heraus in die städtische, hindernisreiche Umgebung verlegt werden; allerdings sind diese öfter durchreglementiert, damit sie als Sportarten vergleichbar gespielt werden können; Ihr Ansatz erscheint da spielerischer – im Sinne von Rückschlagspiele-als-Spielzeug.

    Wie gesagt, ich finde die Idee sehr spannend! Gibt es Literatur oder Webseiten, die Sie empfehlen können? Es wäre jedenfalls interessant, wenn Ihre Erfahrungen in ihre Spielkonzeption für die Projektarbeit einfliessen könnten.

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