Theresa

Die Milieutheorie von Karl Mannheim

Excerpt zum Seminar „Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft – Medien als Forschungsfeld der Erziehungswissenschaft“

Lektüre: Marotzki, W. & Krüger, H. – H. (2009). Einführung in die Erziehungswissenschaft. Einführungstexte Erziehungswissenschaft / hrsg. von Heinz-Hermann Krüger, Bd. 1. Stuttgart: Budrich.

Die Milieutheorie von Karl Mannheim handelt davon, dass sich Sozialisation unter anderem mit der Einbindung eines Individuum in ein bestimmtes Milieu vollzieht. Diese Zugehörigkeit zu einem Milieu gründe in „sozialisationsgeschichtlichen Gemeinsamkeiten“(Mannheim, 2009, S. 133), die es mit anderen Menschen dieses Milieus gemeinsam habe, nach Mannheim seien dies Gemeinsamkeiten des Habitus (vgl. Elias, 1974, S. 312 ff.).

Unter Habitus versteht man beispielsweise die Vorlieben oder Gewohnheiten eines Individuums. Menschen leben in einem bestimmten Milieu, ohne davon zu wissen oder dies zu wollen. Nach Mannheim wachsen sie vielmehr während ihrer Sozialisation in bestimmte Milieus hinein und entwickeln so ihre eigenen Selbstverständlichkeiten , die die Menschen eines Milieus miteinander verbinden.

Um dies zu verdeutlichen, wählt Mannheim ein Beispiel von Nohl, der ein Milieu von jugendlichen Migranten türkischer Herkunft beschreibt. Unter diesen Jugendlichen, die hauptsächlich einen Real- oder Hauptschulabschluss haben, bestehen nach Nohl bestimmte Vorstellungen über das Verhalten in der Öffentlichkeit (vgl. Nohl, 2001). Diese „Kollektivvorstellungen“ (Nohl, 2001) gelten jedoch nur in dem Milieu der türkischen Jugendlichen und können von Menschen aus anderen Milieus meist nicht verstanden werden. Damit es zwischen den Jugendlichen und den Menschen aus anderen Milieus nicht zu Missverständnissen oder gar Unverständnis komme, müssen die „Kollektivvorstellungen“ (Nohl, 2001) jeweils erklärt werden.

Des weiteren ist die Mehrdimensionalität von Milieus erwähnenswert, die Mannheim am Beispiel der Milieus von Jugendlichen erklärt. Diese seien nämlich „[... ]durch die Dimensionen der Migration und, wie angedeutet, der Bildung geprägt[...] “ (Mannheim, 2009, S. 134).

Milieus verändern sich jedoch mit der Zeit, vor allem in der modernen Gesellschaft könne man nicht mehr davon ausgehen, dass Milieus weiter existieren , da kaum ein Mensch mehr in ein Milieu vollständig einsozialisiert werde (vgl. Mannheim, 2009, S. 134) . Vielmehr seien die Menschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt und müssen als „isolierte Individuen“ (Mannheim, 2009, S. 134) leben. Trotzdem könne der Zerfall dieser Milieus aber auch eine Art Erfahrung sein, auf derer Basis Menschen neue Milieus bilden können (vgl. Bohnsack 1998, siehe dazu auch Abschnitt 3.2.3).

Besonders in der modernen Gesellschaft entstehen heutzutage so genannte virtuelle Milieus, also Milieus in den virtuellen communities oder in den Freundeskreisen im Internet, wo Jugendliche beispielsweise in Chats ihre Erfahrungen austauschen ( vgl. Nohl 2002; Projektgruppe Bildung im Internet 2005 ).

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