Theresa

Excerpt Mediensozialisation

Excerpt zum Seminar „Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft – Medien als Forschungsfeld der Erziehungswissenschaft“

Lektüre: Aufenanger, S. (2008). Mediensozialisation. In: Sander, U., Gross,
von F., & Hugger, K. – U. Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss. S. 87-92.

In dem Text von Stefan Aufenanger geht es um die Sozialisationseffekte der elektronischen Medien wie zum Beispiel Fernsehen, Radio oder Internet. Nach Aufenanger können die durch die Medien transportierten Inhalte für bestimmte Sozialisationseffekte verantwortlich gemacht werden (vgl. Aufenanger, 2008, S. 87).
Dabei handele es sich meist „…um die Wirkung von Gewaltdarstellungen, Werbung oder politische Ideologien“ (Aufenanger, 2008, S. 87).
Die Mediensozialisation müsse als ein komplexer Vorgang verstanden werden. Daher versucht Aufenanger verschiedene Blickrichtungen zu klassifizieren. Unterscheiden müsse man zwischen „medienzentrierter und rezipientenzentrierter Perspektiven“ (Aufenanger, 2008, S.87), also der Frage, was die Medien mit den Menschen machen und umgekehrt, was die Menschen mit den Medien machen.

Eine erste wichtige Theorie nach Aufenanger ist, dass die Medien auf Menschen einwirken: nach diesem eher traditionellen Ansatz wird den Medien nach Gestaltung, Inhalt und Struktur ein spezielles Wirkpotential unterstellt, welches meist mit negativen Aspekten verknüpft ist (vgl. Aufenanger, 2008, S. 87-88). Typische Themen sind hier Gewalt und Werbung innerhalb des Fernsehens oder Internets.

Die zweite Theorie geht von medienkompetenten Menschen aus, die fähig sind, das Medienangebot selbstständig auszuwählen. Menschen sind demnach nicht die Opfer der Medien, sondern wissen damit umzugehen. Daraus ergibt sich ein aktives Nutzen der Medien (vgl. Aufenanger, 2008, S. 88).

Die dritte Theorie besagt, dass Menschen und Medien miteinander agieren. Der Einfluss von Medien wird hier sogar als durchaus positiv gesehen, beispielsweise weil durch das Chatten im Internet der Identitätsaufbau eines Menschen gefördert wird. Daher „[...]dienen ausgewählte Medien bzw. Medieninhalte dazu, sich mit bestimmten Charakteren zu identifizieren oder seine Probleme in Mediengeschichte zu projizieren“ (Aufenanger, 2008, S. 88). Wirkungen werden hier nicht unmittelbar unterstellt, sondern nur in Kombination mit anderen Faktoren in Verbindung gebracht.
Im weiteren Text beschäftigt sich Aufenanger mit der Theorie von Hurrelmann. Dieser ist der Meinung, dass sich die Mediensozialisation als Prozess versteht, „[...] in dem sich das entwickelnde Subjekt aktiv mit seiner mediengeprägten Umwelt auseinandersetzt, diese interpretiert sowie aktiv in ihr wirkt[...]“ (Aufenanger, 2008, S. 88). Zugleich werde das Subjekt von den Medien in vielen Persönlichkeitsbereichen beeinflusst. Die Medien können sich nach Hurrelmann jedoch unter gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen verändern. Medienkompetenz erfordert daher, dass sich das handelnde Subjekt aktiv und selbstbestimmt mit ihnen auseinandersetzt (vgl. Aufenanger, 2008, S.88).

Ein weiterer Ansatz, nämlich der medienökologische Ansatz, wird von Baacke und Lange vertreten. In diesem Ansatz wird der Umgang mit den Medien im Kontext „alltäglicher Lebensvollzüge“ (Aufenanger, 2008, S.89) gesehen. Entscheidend für den Prozess der Sozialisation seien nach Lange der Umgang einer Familie mit den Medien wie auch der Familienalltag. Auch der Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen müsse berücksichtigt werden (vgl. Aufenanger, 2008, S. 89).

Im Weiteren wird der aneignungstheoretische Ansatz von Schorb und Theunert vorgestellt. Hier wird davon ausgegangen, dass Medieninhalte in die eigene Lebensbiografie integriert werden. Außerdem geschieht die „[...] aktive Auseinandersetzung mit Medienangeboten in lebensweltlichen Kontexten[...] (Aufenanger, 2008, S.89).
Die „Strukturanalytische Rezeptionsforschung“ (Aufenanger, 2008, S.89) von Charlton und Neumann- Braun beschäftigt sich unter anderem mit der Persönlichkeitspsychologie. Dieser Ansatz rückt von der Vorstellung einseitiger Medienwirkungen ab und betrachtet die Rolle und Funktion der Medien im Alltag von Familien, wobei besondere Beachtung auf die „[...] Bedeutung der Medien für die Lebensbewältigung und Identitätsbildung geworfen wird“ (Aufenanger, 2008, S. 89).

Fromme u.a. betonen in Bezug auf Selbstsozialisation, dass Kinder in Bezug auf Medien nicht manipulierbar seien, sondern vielmehr die Medieninhalte aktiv für das Verstehen von Ereignissen nutzen. Daher dienen Medien in der Sichtweise von Fromme u.a. als „Entwicklungshelfer“ oder als „Instanzen der Selbstsozialisation“ (Aufenanger, 2008, S.90).

Da Medien hinsichtlich ihrer Struktur als unterschiedlich angesehen werden, stellt sich die Frage, ob es eine allgemeine Theorie der Mediensozialisation überhaupt geben kann. Nach Aufenanger gäbe es zudem Mängel an den Untersuchungen, da Medien wie Hörkassetten oder Film vernachlässigt wurden. Außerdem wurden nur bestimmte Altersgruppen untersucht, wie beispielsweise Kinder und Jugendliche. Man müsse jedoch von einem „lebenslangen Prozess“ (Aufenanger, 2008, S.90) der Mediensozialisation ausgehen. Die meisten Studien beziehen sich zudem auf Gewalt oder Werbung, nicht aber auf allgemeine Persönlichkeitsmerkmale wie Emotionen (vgl. Aufenanger, 2008, S.90). Zuletzt müsse bemängelt werden, dass die Forschung den „[...] Wechselprozess zwischen Subjekt und Medien nicht genug in den Blick nimmt“ (Aufenanger, 2008, S. 90).

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