Wolf-Dieter Narr schreibt diesen Brief, um dazu zu motivieren das Studium als ‘eigene’ Sache anzunehmen und somit Spaß am Studieren zu haben. Deshalb erläutert er einerseits was ‘wissenschaftlich’ und ‘wissenschaftliches Arbeiten’ seiner Ansicht nach bedeutet, andererseits formuliert er Ratschläge, die einem während des Studiums helfen sollen. Dabei nutzt er den Aufbau seines Briefes um das ‘wissenschaftliche’ Schreiben zu verdeutlichen.
Aus einem Problem ergibt sich eine Fragestellung und die Herangehensweise (Methode) an diese stellt gerade das ‘Wissenschaftliche’ dar.Seine ersten Ratschläge sind die, dass Studium engagiert anzutreten, ernst zu nehmen und trotz Enttäuschung über beispielsweise die Professoren die selbstständige Erarbeitung zu nutzen. Außerdem geht es darum immer kritisch zu denken und Quellen zu hinterfragen und die Dinge nicht als unantastbar zu sehen.Die Einarbeitung in neue Themen gehört dabei genauso dazu wie neue Fertigkeiten zu erlernen (‘Dass die Studierenden in lernend intensiver Auseinandersetzung mit fachlich nicht zu abgeschotteten Problemen sich selbst und ihre Fähigkeiten entwickeln können.’ S.18, Z. 3ff.).Urteilsfähigkeit und Selbstfindung hebt er dabei besonders hervor.
Um die Studierlust zu steigern und Zusammenhänge erkennen zu können, ist es zudem von Vorteil über das eigene Fach hinaus andere Vorlesungen zu besuchen. Die gegebenen Freiheiten in der Studien- und Prüfungsordnung sind ein weiterer Gewinn.
‘[K]ritisches, ja subversives Nachfragen ist die erste Bedingung allen Wissenschaftstreibens.’ (S.22, Z.16ff.). Dies betont Narr besonders stark: Fragen stellen, die Dozenten zu beobachten und einen eigenen Begriff der ‘Wissenschaft’ zu entwickeln.Nun zählt Narr seine Empfehlungen für das wissenschaftliche Arbeiten auf.
Zu Beginn heißt es ‘Welches Problem behandel ich?’ und ‘Wie ist der Zusammenhang im Kontext?’ Aus dem Problem ergibt sich dann eine möglichst präzise Fragestellung. Hierbei eine passende Frage zu finden stellt eine Herausforderung dar, weil sie das Fundament der folgenden Arbeit darstellt.Außerdem ermutigt Narr dazu als Forschender erkennbar zu bleiben, um dadurch ‘objektiver’ zu werden und bei Abstraktionen nicht zu verzweifeln, da diese notwendig sind um Zusammenhänge zu begreifen.Auch die Einteilung (Gliederung) der Arbeit ist für einen selbst und den Leser wichtig, da sie Struktur schafft. Beschreibung, Analyse und eigene Beurteilung müssen dabei getrennt werden.
Bei der Zusammenfassung gilt es auf die Problem- bzw. Fragestellung zurückzukommen und dies kritisch zu reflektieren. Beim Schluss der Arbeit ist es wichtig die Relevanz der eigenen Arbeit herauszustellen, indem der Zusammenhang der eigenen Erarbeitung zum Seminarthema bzw. ‘Oberthema’ hergestellt wird.
Narr empfiehlt weiterhin sich trotz der vielen Theorie auf die Praxis vorzubereiten, indem man entgegen der Komplexitäten arbeitet. Beim Lesen von Fachliteratur heißt es ‘nicht den Kopf auszuschalten’ und sich die Phantasie zu bewahren.Sobald die Hausarbeit fertig geschrieben ist sollte man sie einige Tage ruhen lassen und daraufhin noch einmal nachbessern.
Sein abschließender Satz ‘Packen Sie’s mit Verstand, Skepsis und Mut an.’ (S.32, Z.16f.) fasst seine Ratschläge sehr gut zusammen.