Im Folgenden werde ich die Rollentheorie kurz zusammenfassen. Dafür ist eine Definition von ‘me’ und ‘I’ notwendig. Das ‘me’ beinhaltet die ‘soziale Seite’ einer Person und gründet sich durch Interaktionserfahrungen bzw. die Reflexion von Interaktionen. Im Gegensatz dazu stellt das ‘I’ die spontane Reaktion innerhalb einer Situation dar und ist somit nicht reflektierbar.
Die Rollentheorie definiert die ‘Soziale Rolle’ als Verbindung von Verhaltenserwartung gemäß Regeln oder Normen mit dem ‘me’. Soziale Rollen kann man folglich als ‘sozial definierte und institutionell abgesicherte Verhaltenserwartungen verstehen’ (S.131, Z.21f.).
Daraus ergibt sich die Frage inwieweit die Menschen diese Erwartungen (vollständig) erfüllen. Einerseits gibt es die Meinung die Gesellschaft sei von der Erfüllung der Rollen abhängig, andererseits wird darauf hingewiesen, dass beim Handeln nicht nur das ‘me’ sondern gerade das ‘I’ Einfluss nimmt und es somit zur Abweichung der Erwartung kommt. ‘Rollen bilden daher nur eine brüchige Struktur’ (S.131, Z. 37).
Die Verhaltenserwartung und die eigenen Bedürfnisse eines Menschen sind meist nicht konform, wodurch die ‘Frustrationstoleranz‘ entsteht und sich die Frage stellt ‘inwieweit rollenkonformes Handeln erzwungen [...] werden muss’ (S.132, Z. 4f.) und ob die Rolle trotz fehlender Bedürfnisbefriedigung ausgefüllt wird.
Außerdem ist jedes Individuum der Herausforderung ausgesetzt in einer Situation seine eigene Rolle zu erkennen. Da jeder Mensch unterschiedliche Rollen hat, ist es folglich notwendig die unterschiedlichen Rollen miteinander zu verbinden. Diese Fähigkeit ist in dem Begriff ‘Ambiguitätstoleranz’ zusammengefasst.
Wenn man davon ausgeht, dass die Rollen vollkommen erfüllt werden, würde dies bedeuten, dass die gesellschaftlichen und individuellen Normen konform sind. Da die Individuen aber einerseits Rollen trotz anderer eigener Bedürfnisse erfüllen und andererseits Rollen nicht vollständig erfüllen, obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten, spricht man in diesem Fall von ‘Rollendistanz’. Der Begriff umfasst die Fähigkeit innerhalb einer Situation die Verhaltenserwartungen zu erkennen und die eigenen Bedürfnisse einzubinden.
Diese drei Dimensionen setzen allerdings auch voraus, dass sich der Mensch durch sein ‘stabiles Selbst’ von den gesellschaftlichen Rollen unterscheidet. Die ‘sozialen Rollen’ dienen demnach der Festigung von Interaktionsprozessen.