Kommenden Montag, den 6.5.13 um 18:15 Uhr spricht Prof. Dr. Helene Skladny (Evangelische Fachhochschule RWL, Bochum) in unserer Ringvorlesung “Wie Aufmerksamkeit erzeugen” zum Thema “Kunstunterricht und Aufmerksamkeit”. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.
Sie ist die erste von vier Gastvortragenden, die wir für unsere Vorlesung gewinnen konnten. Für diejenigen, die sich über die weiteren Termine informieren wollen ist hier das Plakat der gesamten Vorlesung:
Die Tagung „Verflechtungen: Medien • Bildung • Dispositive“ findet vom 31.01. bis zum 02.02.2013 im Haus der Wissenschaft in Braunschweig statt.
Im Konzept zur Tagung schreiben die beiden Veranstalter Julius Othmer und Andreas Weich:
“Spätestens seit der Schulausschuss der Ständigen Kultusministerkonferenz 1995 die Notwendigkeit einer Medienbildung (damals noch Medienkompetenzvermittlung) in der Schule herausstellte, ist der politische Ruf nach ihrer Umsetzung präsent. Er wurde jüngst in einem weiteren Beschluss vom 08.03.2012 nochmals aktualisiert und intensiviert. Diesem gesellschaftspolitischen Anliegen trägt eine Vielzahl von Konzepten zur Medienbildung aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen mit je unterschiedlichen theoretischen Vorannahmen und Zielsetzungen Rechnung.
Vor diesem Hintergrund ist das Konzept der Verflechtungen – als Titel und Leitmetapher der Tagung – einerseits als Ausdruck der Motivation zu verstehen, innerhalb der Medienbildungsforschung die Zusammenarbeit zwischen Erziehungs-, Bildungs- und Medienwissenschaften weiter zu intensivieren. Andererseits dient es auch als inhaltliche Denkfigur, um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Medien und Bildung im Feld der Medienbildung greifbar zu machen.
Das von Michel Foucault geprägte Konzept des Dispositivs kann hierbei als theoretische Modellierung des Verflechtungsbegriffs fruchtbar gemacht werden. Es basiert auf der Annahme grundsätzlich heterogener Konstellationen aus Diskursen, Praktiken, Subjekten, Institutionen und Materialitäten, die eine spezifische strategische Funktion erfüllen. In diesem Sinne lassen sich sowohl Medien und Bildung als auch deren Verflechtungen im Kontext von Bildungseinrichtungen, aber auch darüber hinaus als Dispositive konzeptualisieren und bearbeiten. In den vergangenen Jahrzehnten haben verschiedene Disziplinen, die für die Medienbildungsforschung von großer Relevanz sind, das Konzept des Dispositivs vielfach (auch kritisch) rezipiert und an die je unterschiedlichen Gegenstände und Fragestellungen angepasst. In den Medienwissenschaften wurde beispielsweise bereits in den 70er Jahren das Kino als Dispositiv modelliert (Baudry), in den 90er Jahren das Fernsehen (Hickethier) und zuletzt auch das Internet (Dorer) bzw. „das Netz und die Virtuelle Realität“ (Schröter). Und auch die Erziehungs- und Bildungswissenschaften haben den Dispositiv-Begriff im Hinblick auf Institutionen, wie die Schule (Pongratz), in Anschlag gebracht und modellieren Bildung selbst als Dispositiv, um es auf gouvernementale Wissens-, Macht- und Subjekttechniken zu befragen (Ricken).
Der Anspruch der Tagung ist es jedoch nicht, die bestehenden Anwendungen des Dispositiv-Konzepts lediglich zu referieren und zu vergleichen, sondern die gemeinsamen Prämissen und Fragestellungen zu nutzen, um neue Forschungsfragen und -desiderata zu formulieren sowie neue Ansätze für die Medienbildungsforschung zu generieren. [...]”
Einen genauen Ablaufplan der Tagung finden Sie hier.
In der Reihe “Lehrer-Performances. Spiel/Filmbeispiele” zeige ich im Januar den Film “Detachment” von Tony Kaye (USA 2011). Im Dialog mit einigen Sequenzen des Films werden meine geladenen Gäste Prof. Karl-Josef Pazzini, Joana Abelha Faria, Ole Wollberg und ich mit dem anwesenden Publikum diskutieren.
Zeit: Dienstag, 15. Januar 2013, 19.00 Uhr
Ort: Rm 404, VMP 8
Der Vertretungslehrer Henry Barth sitzt in einem leeren Klassenzimmer einer völlig verlassenen Schule und liest aus Poes Der Untergang des Hauses Usher. Die letzten Bilder von “Detachment” sind programmatisch für seine Geschichte, die von einigen Lehrern und Schülern an einer amerikanischen High School erzählt, deren soziale Gefüge (Kollegium, Elternschaft, Schülerschaft) sich im Zustand der Auflösung befinden.
An dieser Schule wird der Lehrer Barth auf Zeit beschäftigt. Der Film zeigt in der Folge wie er versucht Verantwortung für Andere zu übernehmen bzw. wie ihm in unterschiedlichen Beziehungsverhältnissen Verantwortung von Anderen aufgedrängt wird, der er sich nicht entziehen kann. Wir möchten daher im Gespräch mit dem Film über die Bedeutung von intersubjektiven Beziehungen und sozialen Gefügen, allgemeiner: der Bedeutung der/des Anderen für pädagogische Prozesse sprechen.
tacit knowing
10. Forschungskolloquium in Loccum vom 06.-08.09.2013
Neben explizit benennbaren Praktiken und Techniken wirken sowohl in künstlerischer als auch in pädagogischer Arbeit Fähigkeiten und Kenntnisse, die weder bewusst genutzt noch in ihrer Reflexion und Erforschung klar benannt werden können: tacit knowing (stilles Wissen) steht im Fokus des zehnten kunstpädagogischen Forschungskolloquiums in Loccum.
Für tacit knowing (Polanyi) kursieren verschiedene Synonyme oder Varianten, Mannheim bezeichnet es als »atheoretisches Wissen«, Bourdieu als »habitualisiertes Wissen« und Bohnsack als »implizites Wissen«. Die Unschärfe des »stillen« Wissensbegriffs reicht von einem handlungsleitenden, strukturellen oder prozeduralem Wissen bis hin zu unbewusstem und gänzlich unexplizierbarem Wissen. Die Begriffe haben gemeinsam, dass sie nicht ein Wissen beschreiben, welches folglich einer Person zugeordnet oder gar als inkorporiert angesehen würde, sondern auf ein Wissen verweisen, das sich erst in einer Praxis zeigt. tacit knowing ruft insofern nicht eine bloß unbewusste Struktur hervor, die sich auf Regelhaftigkeiten zurückführen lässt, vielmehr erscheint es selbst als produktive, implizite Wissensformation oder -struktur. Wer jemals längerfristig in ästhetische Prozesse und Praktiken involviert war, kennt Momente des Grenzgangs zwischen Intention und Überraschung, welche Fähigkeiten offenbaren, derer man sich bis zu ihrer Artikulation nicht bewusst war. Fähigkeiten, die sich auch nicht durch intensive Übung oder mittels theoretischer Reflexionen vollkommen in intentionale Handlungen transformieren lassen.
tacit knowing hat demnach die paradoxe Form einer anwesenden Abwesenheit, es begegnet uns in Phänomenen, Performanzen und Praktiken, die sich zumindest in Teilen unserer bewussten Steuerung, einer klaren begrifflichen Definition und empirischen Mess- und Zählbarkeit entziehen.
Doch wie kann dann eine Forschung aussehen, die sich dem stillen Wissen in künstlerischen und kunstpädagogischen Prozessen annähern will? Welche Übersetzungen muss sie leisten? Auf welche Weise lässt sich dieses Wissen zur Darstellung bringen? Diese und ähnliche Fragen liegen dem Kolloquium zugrunde.
Leitung: Ole Wollberg, Manuel Zahn, Andrea Sabisch
Abstracts: Das Loccumer Forschungskolloquium lädt dazu ein, Aspekte und Fragen aus einem eigenen aktuellen Forschungsprojekt zur Diskussion zu stellen und richtet sich insbesondere an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Beiträge sollen die eigenen methodischen, theoretischen und/oder praktischen Fragen skizzieren. Eine Orientierung am diesjährigen Thema ist erwünscht, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme.
Bitte senden Sie Vorschläge für Beiträge in Form eines max. zweiseitigen Exposés bis zum 15. Juni 2013 per E-Mail an: andrea.sabisch@uni-hamburg.de. Zusagen erfolgen bis Ende Juli.
Kosten pro Person: Die Tagungsgebühr wird noch bekannt gegeben.
Literatur
Bergstedt, Bosse/ Herbert, Anna / Kraus, Anja / Wulf, Christoph (Hg.): Tacit dimensions of Pedagogy. Waxmann 2012. (European Studies on Educational Practices 1)
Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. 2003, zuerst 1979. S. 279
Polanyi, Michael: The Study of Man. Chicago 1959.
Neuweg, Georg H: Könnerschaft und implizites Wissen. Waxmann 1999 (Internationale Hochschulschriften 311)
Wehling, Peter: Im Schatten des Wissens? Perspektiven der Soziologie des Nichtwissens. Konstanz UVK 2006.
“Zu den wesentlichen Qualitäten des Kinos gehört es, die Wirklichkeit in Frage stellen zu können, mit Identitäten zu spielen und Traumwelten zu inszenieren. Damit eröffnet das Kino für uns Zuschauer neue Erfahrungs- und Erlebnisräume. In den vergangenen Jahrzehnten haben technische Fortschritte, leistungsfähigere Mikrochips und die rasanten Entwicklungen im Internet das menschliche Leben bis in die persönlichsten Bereiche verändert – und auch die Produktion von Filmen revolutioniert. Seit einigen Jahren kann man eine deutliche Zunahme der Parallelwelten im Kino erkennen; vor allem viele große Blockbuster spielen in einer nicht mehr realen Welt. 30 Kinofilme werden daraufhin untersucht, in welcher Weise diese kulturellen Entwicklungen im Film thematisiert werden. Was erleben wir als Zuschauer/-innen? Beeinflussen Kinofilme unsere Einstellungen zur Realität? Verändert sich durch die Virtualität unsere Identität? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang?”
Im Buch ist auch einem Beitrag von mir:
Bist Du, was Du denkt? – Reflexionen auf das Spiel mit der Simulation (The 13th Floor), in: Laszig, Parfen (Hg.): Blade Runner, Matrix und Avatare. Psychoanalytische Betrachtungen virtueller Wesen und Wirklichkeiten im Film. Springer: Berlin, Heidelberg 2013, S. 303-318
Seit gestern ist meine Monographie “Ästhetische Film-Bildung. Studien zur Materialität und Medialität filmischer Bildungsprozesse” auf dem Buchmarkt. Sie ist in der Reihe “Theorie bilden” beim Transcript Verlag erschienen. Das Buch ist ein erste Antwort auf die Frage: wie ist Bildung mit Film möglich? Es bezieht sich dabei nicht auf den Film im Allgemeinen, sondern auf den Kinofilm – und damit auf eine ganz spezifische Materialität, Performativität und Medialität der Produktion, der Aufführung und der Rezeption.
Auf der Verlagsseite heißt es dazu:
“Film und Bildung – Manuel Zahn spürt in seinen Studien diesem immer noch ungeklärten Verhältnis nach. In Bezug auf aktuelle medientheoretische, ästhetische und bildungstheoretische Diskurse entwickelt er einen differenztheoretischen Begriff der Medialität des Films und stellt mit der Spurenlese eine »Methode« vor, die eine differenzsensible Empirie des Films ermöglicht. Anhand von Filmbeispielen wird die Spurenlese erprobt und dabei ein Begriff der Film-Bildung skizziert, der die Spurenlese von Filmen als bildende Erfahrung begreift, insofern sie es erlaubt, die Auseinandersetzung des Subjekts mit Filmen auf der Folie der Unmöglichkeit ihrer identifizierenden Aneignung zu denken.”
Dort gibt’s auch das Vorwort des Buchs als kleine Leseprobe.
Mit den leitenden Fragen “Was gilt es in der Kunstpädagogik zu erforschen? Wie wird geforscht?” findet vom 18.-19.10.2012 der 4. BDK-Forschungstag in Dresden statt. Er bildet traditionellerweise den Auftakt zum Bundeskongress – dieses Jahr in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden.
Zentrales Anliegen der Veranstaltung ist die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftler/innen und Kunstpädagog/innen im deutschsprachigen Raum, die ein wissenschaftliches Interesse am Fach verfolgen und aktuell im Kontext der Kunstpädagogik forschen oder die Absicht haben, eine Forschung zu beginnen. Den Teilnehmenden soll ein Überblick über die Pluralität aktueller Fragestellungen, Methoden und Theorien und nicht zuletzt interessanter Inhalte gegeben sowie die Möglichkeit zur exemplarischen Erkundung von Forschungswegen eröffnet werden. Die Reflexion des wissenschaftlichen Selbstverständnisses findet in der Schnittmenge von Praxis- und Theoriefeldern der Pädagogik und der Bildenden Kunst, den angrenzenden Theorien von Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften, Philosophie und Psychoanalyse statt. Auch deshalb wird der diesjährige Forschungstag in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden stattfinden, einem Ort der Vermittlung zeitgenössischen Wissens und des interdisziplinären Forschens im Kontext von Wissenschaft, Bildung und Kultur.
In insgesamt 8 Workshops werden die unterschiedlichsten Forschungsthemen, -theorien und -methoden (von der Diskursanalyse über die Ethnographie bis zur Psychoanalyse) vorgestellt und diskutiert. Ich selbst werde einen Workshop zur Erforschung von Filmen über das Lehren in Bezug auf die Psychoanalyse anbieten: “Filme über das Lehren als Übertragungsgeschehen”. Für weitere Informationen siehe unten.
Programm, Anmeldung, Diskussion: bdk-forschungstag.mixxt.de/
Auch: www.facebook.com/BDKForschungstag
Konzeption: Prof. Dr. Christine Heil (Kunsthochschule Mainz), Prof. Dr. Marie-Luise Lange (TU Dresden), Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini (Universität Hamburg) – forschungstag@bdk-online.info
Organisation: Jun.-Prof. Dr. Sara Burkhardt (TU Dresden / BDK-Hochschulreferat) – sara.burkhardt@bdk-online.info
(via net art education)
Das von Claudia Birkner, Prof. Dr. Birgit Engel, Tobias Loemke, Julia Weitzel und Katrin Zapp organisierte neunte Loccumer Forschungskolloquium lenkt mit dem gewählten Thema »Brüche« die Aufmerksamkeit auf ein zentrales Phänomen künstlerischer und ästhetisch fundierter Bildungsprozesse.
Im Call for Papiers zur Tagung heißt es:
“Der Bruch gilt sowohl in der Phänomenologie, in der ästhetischen Hermeneutik, als auch in der poststrukturalistischen Philosophie und Bildungstheorie als ein konstitutives Moment von Erfahrung und Bildung. Er verweist auf ein an die Zeit gebundenes Ereignis, das den Blick auf die Geschichtlichkeit der Phänomene und der Erfahrungen sowie ihre prinzipiell offene Entwicklungsdisposition lenkt. […]
Als Bezugsebene der gemeinsamen Reflexion sollen diesmal diejenigen Erfahrungsprozesse gelten, die sich auf den verschiedenen Ebenen kunstpädagogischer Forschungs- und Lehrpraxis ereignen, seien es die zu erforschenden Lern- und Bildungsprozesse der Schülerinnen und Schüler und der Studierenden, die Spezifika der künstlerischen Praxis, die kunstpädagogischen Erfahrungen der Lehrenden oder die Phasen im Übergang von der eigenen künstlerischen Praxis in die Lehre und natürlich auch die Erfahrungen im Rahmen des Forschungsprozesses selbst. An all diesen Prozessen interessieren uns nicht die glatten, leicht konsumierbaren Ergebnisse, sondern insbesondere diejenigen Momente, in denen die Erfahrung selbst gefährdet ist, eine Sicherheit sich relativiert, eine Verhaltensdisposition nicht ausreicht, ein Materialgesetz sich entzieht, oder auch etwas völlig Unerwartetes sich in eine sicher geglaubte Kontinuität hineinschiebt oder hineinfällt.”
Das umfangreiche Programm – zudem ich einen Beitrag zur Metaphorologie des “Bruchs” beisteuern darf – lässt auf eine interessante Tagung hoffen. Ich schaffe es in diesem Jahr zum ersten Mal nach Loccum und freue mich schon sehr auf die drei Tage unter kunstpädagogischen Kolleginnen und Kollegen und auf die sicherlich spannenden Diskussionen.
Die KurzFilmSchule ist im Rahmen des Mo&Friese KinderKurzFilmFestival auch mit einem Programm vertreten. Am Mittwoch den 30. Mai 2012 um 16 Uhr, gibt es in den Zeise Kinos aktuelle Filme aus dem Hause KurzFilmSchule zu sehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.








