
Ich will gern jetzt schon auf ein ganz wunderbares Programm der ARD im kommenden November aufmerksam machen. Die ARD zeigt Filme von Rudolf Thome (der übrigens schon seit 2003 ein sehr lesenswertes weblog schreibt), für die es sich sicher lohnt länger auf- und wachzubleiben. Die Reihe beginnt mit Thomes aktuellstem Film »Pink«, aus dem auch das vorangestellte Still ist. Ich stelle die Liste der voraussichtlichen Sendezeiten einfach mal ein:
01. 11. 2009 um 00.05 Uhr: Pink
01. 11. 2009 um 01.30 Uhr: Rote Sonne
04. 11. 2009 um 00.35 Uhr: Das Mikroskop
08. 11. 2009 um 00.05 Uhr: Du hast gesagt, dass Du mich liebst
08. 11. 2009 um 02.00 Uhr: Rot und Blau
11. 11. 2009 um 00.50 Uhr: Der Philosoph
15. 11. 2009 um 00.30 Uhr: Rauchzeichen
15. 11. 2009 um 02.40 Uhr: Frau fährt, Mann schläft
17. 11. 2009 um 22:50 Uhr: System ohne Schatten (im RBB)
18. 11. 2009 um 00:35 Uhr: Sieben Frauen
22. 11. 2009 um 00:00 Uhr: Das Sichtbare und das Unsichtbare
22. 11. 2009 um 02.05 Uhr: Paradiso – Sieben Tage mit sieben Frauen
29. 11. 2009 um 02:25 Uhr: Berlin Chamissoplatz
So oder so ähnlich könnte die telefonische Anfrage an¬†Bernd Böhlich¬†geklungen haben, für¬†den Mitteldeutschen Rundfunk anlässlich des Verfassungsjubiläums das Grundgesetz zu verfilmen. Entstanden ist daraus der Episodenfilm Bei uns um die Ecke. In insgesamt sechs Episoden will der Film
“Kinder mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vertraut machen. Im Zentrum der Geschichten stehen Moritz (8) und Linda (14). Der Großvater und die Eltern der Geschwister betreiben in Halle ein Ecklokal. Die Gaststätte, der Kiez und die Schule der Kinder bilden den Rahmen für die erzählten Geschichten. Artikel 1, 2, 3, 5, 6 und 10 geben das Thema vor für die einzelnen Folgen des Films, in der die Kinder oder ihre Freunde mit den Regeln und Normen des Grundgesetzes kollidieren, Konflikte lösen oder aber Grundrechte durchsetzen. Bei uns und um die Ecke ist so eine unterhaltsame, spannende und lehrreiche Lektion in Sachen praktischer Demokratie.”
Zum Sendestart des Films am kommenden Donnerstag, 21. Mai um 11 Uhr holt Böhlich zur Kritik gegen das deutsche (Kinder-)Fernsehen aus:
“Das deutsche Kinderfernsehen ist zum größten Teil entpolitisiert. Es geht fast immer nur um Spaß und Abenteuer. Das spielt im Leben der Kinder zwar eine große Rolle, aber ab einem bestimmten Alter kommen andere Fragen auf. Wie orientiere ich mich in der Gesellschaft? Was ist wichtig für mich? Darauf bekommen Kinder im Fernsehen keine Antworten.”¬†
Ich zumindest bin gespannt darauf, welche Antworten oder (noch besser!) welche Fragen bezüglich des deutschen Grundgesetzes Böhlichs Film zu zeigen und anzuregen vermag.
Viel Spaß beim Lesen des gesamten Artikels!
Am 28.11.08 veröffentlichte die taz ein Gespräch zwischen David Denk und Christian Petzold “über das Fernsehen im Vergleich zum Kino, Filmerziehung, den eigenen TV-Konsum und die aktuelle Qualitätsdebatte”.¬†Die Gedanken zur spezifischen Medialität des Fernsehens und des Kinos sind zwar nicht neu, aber so lesenwert, dass es das Interview an dieser Stelle vollständig zu lesen gibt:¬†
taz: Herr Petzold, am Freitag läuft Ihr Film “Gespenster” zum ersten Mal im Fernsehen. Was bedeutet Ihnen das?
Christian Petzold:¬†Ich finde, es gehört zum Reichtum des Fernsehens dazu, dass auch mal ein Film wie meiner da läuft. Das ist selten genug der Fall. Wer wie ich aus einer westdeutschen Kleinstadt ohne Kino stammt, hat das Kino vor allem durch das Fernsehen kennen gelernt und wahrgenommen – etwa durch die Filmreihen “Die schwarze Serie” oder “Das Europa der weißen Telefone” über das Melodram. Doch die Verslottung des öffentlich-rechtlichen Programms – also das starre Sendeschema am Abend – hat dazu geführt, dass das Kino dort keinen Ort mehr findet. Das Privatfernsehen hat diese Slots zwar nicht, spielt aber sowieso nur die Filme, die man auch bei Schlecker an der Kasse kaufen kann.
Was haben Sie gegen Blockbuster?
Nichts. Nur wird durch die einseitige Filmauswahl das Kinoverständnis verengt: Das Kino ist eben nicht nur Abspielstation für Kassenschlager, sondern der Ort, an dem das Gemeinwesen, in dem wir uns bewegen, durchleuchtet und bearbeitet, durchsucht und hinterfragt wird.
Ist “Gespenster” im Fernsehen genauso gut wie im Kino?
Ich glaube, dass die Umgebung, in der man einen Film sieht, genauso wichtig ist wie der Film selbst. Wenn ein Film flankiert ist von den “Tagesthemen” und dem “Nachtjournal”, ist das ein anderer Film, als wenn der Abend mit einer Busfahrt zum Kino beginnt und mit einem Getränk in einer Bar endet… Read the rest of this entry »

