“Zu den wesentlichen Qualitäten des Kinos gehört es, die Wirklichkeit in Frage stellen zu können, mit Identitäten zu spielen und Traumwelten zu inszenieren. Damit eröffnet das Kino für uns Zuschauer neue Erfahrungs- und Erlebnisräume. In den vergangenen Jahrzehnten haben technische Fortschritte, leistungsfähigere Mikrochips und die rasanten Entwicklungen im Internet das menschliche Leben bis in die persönlichsten Bereiche verändert – und auch die Produktion von Filmen revolutioniert. Seit einigen Jahren kann man eine deutliche Zunahme der Parallelwelten im Kino erkennen; vor allem viele große Blockbuster spielen in einer nicht mehr realen Welt. 30 Kinofilme werden daraufhin untersucht, in welcher Weise diese kulturellen Entwicklungen im Film thematisiert werden. Was erleben wir als Zuschauer/-innen? Beeinflussen Kinofilme unsere Einstellungen zur Realität? Verändert sich durch die Virtualität unsere Identität? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang?”
Im Buch ist auch einem Beitrag von mir:
Bist Du, was Du denkt? – Reflexionen auf das Spiel mit der Simulation (The 13th Floor), in: Laszig, Parfen (Hg.): Blade Runner, Matrix und Avatare. Psychoanalytische Betrachtungen virtueller Wesen und Wirklichkeiten im Film. Springer: Berlin, Heidelberg 2013, S. 303-318
Ich möchte auf drei Ringvorlesungen aufmerksam machen, die in diesem Monat schon begonnen haben oder noch starten. Die Ringvorlesungen (in Hamburg, Frankfurt/Marburg und Oldenburg) untersuchen 1. Wunder, 2. medienkulturelle Wandlungen und 3. Migration in ihren jeweiligen Verhältnissen zu Kunst und Pädagogik/Bildung.
1. WUNDER IN KUNST UND PÄDGOGIK
Wunder gibt es immer wieder, und es gibt sie überall – oder nicht? Anlässlich der Ausstellung WUNDER (in den Deichtorhallen, Hamburg) widmet sich eine Ringvorlesung der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg dem „Wunder in Kunst und Pädagogik“. Ausgehend von dem interdisziplinären Ansatz der Ausstellung nehmen Expertinnen und Experten unterschiedlichster Provenienz das Thema Wunder zum Anlass, die Grenzen des eigenen Wissens und der eigenen Disziplinen zu erkunden.
Das Konzept der Ringvorlesung fasst Wunder als wirksame Geschehnisse radikaler Fremdheit, die sich unseren Erwartungen, Absichten und Erklärungen entziehen. Sie markieren die Grenzen der Rationalität und werden zum Gegenstand von Zweifel, Kritik, Unterwerfungsbereitschaft oder Neugier, nähren den Verdacht auf Betrug, lassen aber auch auf Allmacht hoffen. Fast im Gegensatz dazu haben im christlichen, später hauptsächlich im katholischen Zusammenhang, Wunder Beweischarakter und beruhigen den Zweifel. Sie benötigen Zeugen und die Etablierung einer Tradition, um weiterhin wirksam zu bleiben. Wegen der vieldimensionalen Facetten des Themas werden unterschiedliche Diskurse berührt: kunst- und medientheoretische, erziehungswissenschaftliche, theologische, philosophische, künstlerische, literaturwissenschaftliche, mathematische und nicht zuletzt wissenschaftskritische.
Die Ringvorlesung findet Dienstags (zu den hier genannten Terminen) um jeweils 18 Uhr im Auditorium des Hauses der Photographie statt (Eingang über die Rückseite des Hauses). Read the rest of this entry »
Anfang Oktober ging auf zkmb.de die interdisziplinäre „Zeitschrift Kunst Medien Bildung“ online. Herausgeben wird das e-Journal im Auftrag der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung von Ansgar Schnurr (Dortmund), Andreas Brenne (Kassel), Christine Heil (Mainz) und Torsten Meyer (Köln). Die zkmb ist ein „Open Access Journal“ – das heisst, ihre Artikel sind kostenlos und ohne Zugangsbeschränkung lesbar.
Erklärtes Ziel der Herausgeber ist es, „den fachwissenschaftlichen und fächerüberschreitenden Diskurs unter den Bedingungen intermedialer Vernetzungsmöglichkeiten weiterzuentwickeln“. Die internetbasierte Publikation der Texte und ihre zeitnahe Prüfung in einem „Open-Peer-Review“-Verfahren gewährleisten die ebenso zeitgemäße wie rasche Verfügbarkeit und Diskussion wissenschaftlicher Arbeiten aus dem weiten Forschungsfeld zwischen Kunst, Medien und Bildung.
„Für die Dauer von sechs Monaten können diese „Texte im Diskurs“ von allen Personen der Fachcommunity durch öffentliche und namentlich gekennzeichnete „Reviews“ kommentiert werden. Die Reviews dürfen sowohl die Funktion einer fachlichen Kritik als auch die einer diskursiven Vernetzung mit verwandten, z.B. interdisziplinären Fragestellungen und Ansätzen übernehmen. Nach Ablauf dieser Zeit erhalten die Autoren/innen des eingereichten Textes die Möglichkeit, ihren Artikel zu überarbeiten und dabei gegebenenfalls Hinweise der Reviews einzuarbeiten. Diese endgültigen „Publikationen“ werden zusammen mit den daran geknüpften Kommentaren in einer eigenen Kategorie dauerhaft archiviert“
Sowohl die Artikel als auch die Diskussionsbeiträge der Online-Zeitschrift erhalten eigene URLs – sind folglich zitierfähig und werden laut Herausgebern als „eigenständige wissenschaftliche Publikationen begriffen.“ Weitere Informationen und erste Artikel (“Texte im Diskurs”) finden sich auf der Homepage der Zeitschrift.
Darunter ist auch ein Artikel von mir mit dem Titel “Film-Bildung im Zeichen radikaler Alterität”. Der Text skizziert einen differenztheoretischen Zugang zum Film und macht im Anschluss daran einen Vorschlag von „Film-Bildung“, der den medienpädagogischen Diskurs um die Dimension der ästhetischen Erfahrung von Film erweitert. Ich freue mich sehr, beim Start dieses schönen Projekts dabei sein zu dürfen und bin gespannt wie das Angebot angenommen wird. In diesem Sinne wünsche ich den Herausgebern eine rege Beteiligung und uns allen viel Spaß beim Lesen und Mitdiskutieren!
Diese Woche »Bad Teacher« gesehen und befunden, dass Georg Seesslens Kritik in der taz »Da lacht der Mittlere Westen« nichts hinzuzufügen ist.
Im Rahmen der Reihe .mbr monthly und in Kooperation mit dem Labor für Bildungsphilosophie der Universität zu Köln werde ich am 31.5.2011 (um 16:00 Uhr, in Rm 244) einen Gastvortrag mit dem Titel “Watch, Edit, Mash and Tube it. Film-Bildung in postkinematographischen Zeiten” halten.
Ich freue mich schon sehr darauf. Und alle die sich für Fragen der Film-Bildung und der aktuellen Medienkultur interessieren und (zufällig) in Köln weilen, sind herzlich eingeladen.
Am 28. und 29.01.2011 veranstaltet das Germanistische Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster eine Fachtagung zur Filmvermittlung. Sie wendet sich den bisher im deutschen Diskurs wenig berücksichtigten Fragen nach einer möglichen Verortung der Geschichtlichkeit, der ästhetischen Vielfalt und der gesellschaftlichen Relevanz des Kinos zu.
Die Tagung bringt Forschende und Lehrende aus der Filmwissenschaft, der Literaturwissenschaft und der Filmdidaktik sowie Personen aus Filmbildungsprojekten und der Kinopraxis zusammen, um gemeinsam diese Lücke zu schließen und folgende Aspekte der Filmbildung und der Filmvermittlung zu diskutieren:
“Wie können Phasen der Literaturgeschichte und der Filmgeschichte sowie literarische Formen und Filmerzählung miteinander verknüpft werden, ohne auf ‚Verfilmungen‘ im Unterricht zurückgreifen zu müssen? Welche Konzepte zur Vermittlung von Kinokultur und literarischer Kultur gibt es bereits, wie können diese (weiter-) entwickelt werden? Gibt es eine Anschlussfähigkeit zwischen Film- und Literaturgenres? Wie werden Differenzierungen zwischen den Darstellungsformen Schrift- und Filmkultur deutlich gemacht? Können Stichworte wie ‚Multimedialität‘ und ‚Intermedialität‘ produktiv gemacht werden? Welche alternativen Formen der Filmvermittlung gibt es?”
Neben Vorträgen und anschließenden Diskussionen werden am 29. Januar Workshops zur alternativen Filmvermittlung speziell für Lehrerinnen und Lehrer angeboten, die – neben Parametern wie Einstellungsgrößen und Perspektivwechsel – praxisorientiert andere Methoden in den Mittelpunkt ihres Filmunterrichts stellen wollen.
Weitere und genauere Informationen gibt es auf der Tagungshomepage.
Jean-Luc Godard wird nächste Woche in Hollywood mit einem Ehren-Oscar fürs Lebenswerk geehrt. Dass man ihm Antisemitismus unterstellt, findet der Regisseur von «Film Socialisme» müssig.
“NZZ am Sonntag: Monsieur Godard, die Academy of Motion Pictures Arts & Sciences verleiht Ihnen kommenden Samstag einen Ehren-Oscar für Ihr Lebenswerk. Was bedeutet Ihnen das?
Jean-Luc Godard: Nichts. Wenn das der Academy gefällt, soll sie es tun. Aber ich finde es seltsam. Welche Filme von mir haben die gesehen?, fragte ich mich. Kennen die meine Filme überhaupt? Der Preis heisst ja Governors Award. Bedeutet dies, dass mir Schwarzenegger den Preis gibt?”
Hier geht`s zum vollständigen Interview mit Christian Jungen von der NZZ.
Die aktuelle Ausgabe (8/10) von epd-Film Das Kino-Magazin enthält einen Schwerpunkt zum Thema »Film und Schule«.
Auf dem Magazin-Cover heißt es dazu »Herr Lehrer, wir wollen ins Kino! Ein Special über Filmbildung in der Schule«. In die beiden Aussagen lässt sich schon eine Differenz (oder gar ein Dissenz oder eine Inkommposibilität) deuten, die sich dann auch in den Textbeiträgen zum Schwerpunkktthema mitliest. Filmbildung im Kino und Filmbildung in der Schule bedeuten nicht dasselbe, stehen vielleicht sogar gegeneinander – auch wenn Positionen im deutschen medienpädagogischen Diskurs in Begriffen einer »schulischen Filmbildung« das Gegenteil behaupten.
Bei Ansätzen schulischer Filmvermittlung, die dieser medienpädagogischer Prämisse folgen, möchte man die Schülerinnen und Schüler tatsächlich in ihrem Wollen zum Kino (»Herr Lehrer, wir wollen ins Kino!«) als Flucht aus dem Klassenraum und eine Form des Widerstands bestärken.
Die Beiträge »Rein ins Kino« von Rudolf Worschech und »Gegenwelt. Film an der Schule – Muss das überhaupt sein? Ein Einspruch« von Barbara Schweizerhof lassen sich auf der zuvor skizzierten kritischen Fluchtlinie zwischen Kino und Schule lesen.
Winfried Pauleit beschreibt in seinem Beitrag »Die feinen Unterschiede« was die deutsche Medienpädagogik, insbesondere der Diskurs der Filmvermittlung im Spannungsfeld von Kino und Schule (man könnte aber auch noch das Museum, die DVD, das Fernsehen oder das Internet hinzunehmen), durch einen Blick nach Frankreich lernen kann. Der dort entwickelte – und insbesondere durch den Namen Alain Bergala und dessen Buch »Kino als Kunst. Filmvermittlung an der Schule und anderswo« in Deutschland bekannt gewordene – cinéphile Ansatz pädagogischer Filmvermittlung »wendet sich gegen eine ideologiekritische Pädagogik, die den Film unter die Massenmedien subsumiert”. Sie setzt dagegen auf eine Hinwendung zum Film als Kunst und »gutes Objekt«, an dem man sich beispielsweise im Kino (ästhetisch) bildet. Cinéphile Filmbildung ist daher folgerichtig auf Dimensionen subjektiver Film-Erfahrung wie “Beobachtung, Sensibilität” und auf ein Verständnis des künstlerischen Schaffensprozesses vor dem Hintergrund der Filmgeschichte und des Politischen als ästhetische Form ausgerichtet.
Ein Gespräch zwischen Raimund Gertz und der Hanauer Lehrerin Gela von Detten beleuchtet unter dem Titel »Im Abseits der guten Absichten« die bisherigen Bemühungen schulischer Filmvermittlung an ihrer Schule und im Land Hessen.
Ein Beitrag von Stefan Reinecke, »Profession:Lehrer«, zu Bildern der Schule im Dokumentarfilm rundet das Schwerpunktthema ab und gibt interessante Einsichten in die bevorzugten filmischen Perspektiven auf Schule.








