Die Arbeitstagung vom 6-8.4.2017 konzentriert sich auf einen ,Lehrerfilm‘: Fack ju Göhte von Bora Dagtekin. Die Komödie war in Deutschland mit etwa 5,6 Millionen Kinobesuchern der Kassenschlager im Kinojahr 2013, bis Juli 2014 wurden sogar über 7 Millionen Kinotickets verkauft. Was hat dieser Film? Was bewegte er bei seinen Zuschauer*innen? Und was lässt sich an ihm analytisch herausarbeiten, das über die Inszenierung einzelner Lehrerfiguren hinausgeht und eine aktuelle gesellschaftliche Dimension berührt? Kann der Film uns möglicherweise etwas über die gesellschaftlich kursierenden Imaginationen vom Lehrer, von Schule oder gelingende Lehre mitteilen? Was unterscheidet ihn dabei etwa von Kultfilmen des ,Lehrerfilm-Genres‘ wie Helmuth Weiss’ Die Feuerzangenbowle (1944) oder Peter Weirs‘ Dead Poets Society (1989).

Inhaltlich geht es damit auf der Arbeitstagung u.a. um Fragen der Wirksamkeit von Übertragungen, Unterstellungen und Inszenierungen, sowohl auf der Ebene der Lehr-Lern-Beziehungen im Klassenzimmer bzw. in der Schule als auch im Kino zwischen Film und Zuschauer*innen. Was ist über Transformations- und Subjektivierungsprozesse von Lehrer- und Schülerfiguren zu sehen und zu hören? Wie artikulieren sich aus psychoanalytischer Perspektive Sprache und Körper, Begehren und Subjekt? Was affiziert uns als Zuschauer*innen an diesem Film, zu welchen Identifikationen und Resistenzen, aber auch Fragen hinsichtlich des Lehrens regt er an? Diesen und weiteren Fragen wollen wir während der Tagung nachgehen.

Mit Beiträgen von Beatrice Arend, Ingo Jungclaussen, Karl-Josef Pazzini, Paul Lesch, Bernhard Raus, Jochen Schmerfeld, Silvana Stubig, Patrick Sunnen, Jean-Marie Weber und Manuel Zahn.

/// Tagungsort: Centre national de l’audiovisuel (CNA), 1B, rue du Centenaire, L-3475 Dudelange (Düdelingen), Luxembourg.

/// Anmeldung: Alle Interessierten können sich ihre Teilnahme bis spätestens 28. März 2017 bei folgender Adresse anmelden: andrea.klein@uni.lu. Die Teilnahme an einzelnen Vorträgen ist möglich und kostenlos.

/// Programm: Und hier gibts es den Tagungsflyer (inkl. Tagungsprogramm) als PDF-Download.

Am 28. und 29. April 2017 findet am Institut für Kunst und Kunsttheorie das Symposium »Decolonizing Arts Education« statt.
Das Symposium hat zum Ziel, die Kunstpädagogik vor dem Hintergrund der postmigrantischen Realität kritisch zu befragen. Gegenstand des Symposiums ist ein diskursives und performatives Programm, das Künstler*innen, Kunstpädagog*innen, Lehrer*innen und Theoretiker*innen in einen Dialog mit Studierenden bringen soll. Folgende Fragen werden u.a. diskutiert werden: Welche Rolle kommt der Kunstpädagogik angesichts des gesellschaftlichen Wandels infolge von Flucht und Migration zu? Welche Impulse werden in der kunstpädagogischen Fachcommunity diskutiert, und wo hakt es im eigenen Fachdiskurs? Wie sähe eine alternative, rassismuskritische Wissensproduktion im Feld der schulischen und außerschulischen Kunstpraxis und -vermittlung aus?

Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016Tagung "Visuelle Assoziation" 2016

Vom 15.-17.September 2016 fand die interdisziplinäre Tagung »Visuelle Assoziation« (VA) im Warburg-Haus Hamburg statt, die vom Arbeitsbereich Ästhetische Bildung der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, unter der Leitung von Andrea Sabisch und mir durchgeführt wurde. Die Resonanz auf die Tagung war schon im Vorfeld überwältigend, sodass wir etlichen Personen aus Platzgründen leider absagen mussten.

Das Programm war thematisch in drei Blöcke aufgeteilt, die sich wiederum auf die drei Tage der Veranstaltung verteilten. Nach einer kurzen Begrüßung der Veranstalter, leitete Dieter Mersch den ersten Themenschwerpunkt der philosophischen, kunsthistorischen und künstlerischen Forschungen zur VA ein, indem er konjunktionale Anordnungen von propositionalen unterschied und im Kontext eines Visuellen Denkens verortete. Im Anschluss daran zeigte der Kunsthistoriker und Kurator Roberto Ohrt an der rekonstruierten 48. Tafel Aby Warburgs, inwiefern die Anordnung der Bildensembles bei Warburg als Visuelle Assoziation bezeichnet werden können. Zum Abschluss des ersten Tages beschrieb und reflektierte der Hamburger Künstler Peter Piller seine fotografische Arbeit als zeitgenössische Perspektive auf die VA, die sich nicht nur durch die Anordnung im Medium des Buches und der Ausstellung, sondern auch im Prozess der Bildauswahl aus umfangreichen Bildersammlungen und -archiven ergibt.

Der zweite thematische Block umfasste verschiedene Beiträge, die die medienspezifischen Artikulationen der VA thematisierten. Während Kathrin Peters von UdK Berlin die VA als filmisches Verfahren in Agnes Vardas Film Les glaneurs et les glaneuse darstellte, rekonstruierte Alejandro Bachmann aus dem Österreichischen Filmmuseum in Wien die Faktur von Gustav Deutschs ›Film ist.‹ 1-6 von 1998, um daran das assoziative Bilddenken als Konzept darzulegen. Inwiefern visuelle Assoziationen als performative Praktiken der Verknüpfungen im Medium des Künstlerbuchs immer neu aktualisiert werden, thematisierte die Lehrbeauftragte der HfbK Rebekka Seubert, u.a. auch an studentischen Arbeiten. Der Beitrag der Amerikanistin Astrid Böger bezog sich auf die Graphic Novel The Arrival von Shaun Tan, die neben der rein visuellen Anordnung der Bilder auch imaginäre Bildverknüpfungen, wie kollektive Erinnerungsspuren, behandelte. Der Beitrag von Lena Ziese (HfbK Hamburg) machte die Text-Bild-Verkettungen der künstlerischen Arbeit der verstorbenen Künstlerin und Kunstpädagogin Andrea Tippelt zum Thema und bestand aus einer performativen Lesung mit digitaler Bilderschau. Die  Künstlerin Nanne Meyer von der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zeigte ihre eigenen Arbeiten zum Teil im Original, zum Teil als digitale Darstellungen. Dieser Beitrag aus der künstlerischen Praxis zeigte einmal mehr, dass der in dieser Tagung anvisierte wechselseitige Austausch zwischen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen für die Theoretisierung der Visuellen Assoziation einerseits und die Exemplifizierung andererseits von großer Relevanz ist. Eine gemeinsame Reflexion mit dem Publikum führte die medienspezifischen Aspekte, die grundlegenden philosophischen Überlegungen und offene Fragen in Bezug auf den Begriff und die Abgrenzung der VA weiter.

Der dritte Schwerpunkt überführte die bisherigen Überlegungen der VA in den Bereich der Bildungstheorie und der Visuellen Bildung. Während Jan Masschelein (KU Leuven) einen Vortrag zur Erziehung des Blicks hielt und damit einerseits Einblicke in seine hochschulische Lehrpraxis gab und andererseits bildungstheoretische Überlegungen zur VA anstellte, entwickelte Andrea Sabisch Ideen für eine bildtheoretische ausgerichtete Bildungstheorie. In der abschließenden Diskussion wurden vor allem mit dem Publikum Formate der gemeinsamen Weiterarbeit innerhalb eines Forschunsgverbundes diskutiert.

Ein nächster Schritt der weiteren Zusammenarbeit in Form einer Publikation ist für 2017 geplant, Herausgeber*innen sind Andrea Sabisch und Manuel Zahn.

Havarie (Philip Scheffner, D 2016)

Havarie (Philip Scheffner, D 2016)

Vom 1.- 3. Dezember 2016 findet im Warburg-Haus Hamburg die Tagung „Flüchtige Bilder: Affekt / Repräsentation“ statt. Die transdisziplinäre Veranstaltung richten Jacobus Bracker (Archäologisches Institut, Universität Hamburg), Ann-Kathrin Hubrich (Graduiertenkolleg Geisteswissenschaften, Universität Hamburg) und Stefanie Johns (FuL, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg) aus.

In der Ankündigung zur Tagung schreiben die Veranstalter*innen: „Die Präsenz von Fluchtbewegungen in der medialen Berichterstattung, die diverse Perspektiven auf die Flucht, ihre Ursachen und Folgen abbildet oder ausblendet, verweist auf das Evokations- und Affektionsvermögen der Bilder. In einer drastischen Steigerung der Warburg’schen Bilderwanderungen flüchten auch die Bilder selbst, sei es, dass sie die Flüchtenden begleiten, sei es, dass sie transmediale Fluchtwege vor einem propagandistischen Bildersturm einschlagen. Im Rahmen von Fluchtbewegungen entstand und entsteht zu allen Zeiten eine Fülle, eine schier unüberschaubare Masse an Bildern, die das Leid der Flüchtenden zu spiegeln suchen, die Fluchtwege nachzeichnen oder auf die Fluchtursachen verweisen wollen.“

Weitere Informationen zur Tagung gibt es hier: http://www.bildkontexte.de.
Das Tagungsprogramm als PDF-Download: http://www.bildkontexte.de/download/Fleeing_Images_2016.pdf

Einladung_Tagung_VISUELLE_ASSOZIATION

Programm_Tagung_VISUELLE_ASSOZIATION

Die von Andrea Sabisch und mir organisierte interdisziplinäre Tagung reflektiert das Phänomen der »Visuellen Assoziation« im Kontext visueller Bildung. Sie setzt gleichsam unsere 2013 in Hamburg begonnene konzeptionelle Arbeit an einer »Visuellen Bildung« fort.

Die Tagung untersucht Assoziationen als Praxis der medienspezifischen Verbindungen im Visuellen und differenziert sie von künstlerischen Beispielen her. Dabei stehen nicht so sehr Einzelbilder im Fokus, sondern vielmehr Bildserien und -sequenzen sowie Bildsammlungen und damit auch der Raum zwischen den Bildern. Anhand von medien-, bild- und kunstwissenschaftlichen wie auch künstlerischen Beiträgen wird es vor allem darum gehen, das Phänomen und den Begriff der »Visuellen Assoziation«, eventuell auch in Abgrenzung zur »Visuellen Narration« zu beleuchten.

Im Unterschied zu sprachbasierten Assoziationen kann man visuelle Assoziationen als formale, semantische, gestische oder performative Verknüpfungen verstehen, die sich im Hinblick auf Aspekte wie Lage, Richtung, Häufigkeit, Ähnlichkeit, Kontrastierung, Rhythmus und Wiederholung untersuchen und differenzieren lassen. Diese Dimensionen spielen nicht nur in visuellen Artikulationen des Sehens, Zeigens und Darstellens eine relevante Rolle, sie markieren zudem auch einen Übergang zum Virtuellen. Indem Sie verlängern, ausdehnen, unterbrechen, verknüpfen, streuen, schichten und takten, eröffnen sie nicht nur visuelle Räume, Durch- und Übergänge, sondern zugleich imaginäre, mentale Welten. Dabei richten sie sowohl Bildproduzenten als auch -rezipienten gleichermaßen in ihrem bildbezogenen Wahrnehmen, Denken und Handeln aus. Insofern kommt ihnen in Bildungsprozessen eine ähnlich elementare Funktion zu, wie sie der Metapher in sprachbasierten Bildungstheorien zugewiesen wird.

Mit Beiträgen von Alejandro Bachmann, Astrid Böger, Jan Masschelein, Dieter Mersch, Nanne Meyer, Roberto Orth, Kathrin Peters, Peter Piller, Andrea Sabisch, Rebekka Seubert, Daniel Wolff, Manuel Zahn und Lena Ziese.

/// Informationen
Ein PDF des Tagungsprogramms finden Sie hier: Tagung_Visuelle_Assoziation

/// Anmeldung
Anmeldung bis zum 31.07.2016 an EW1.AesthBildg@uni-hamburg.de, hier erfahren Sie auch die Kontodaten. Die Anmeldung wird erst mit der Überweisung gültig.

/// Tagungskosten (inkl. Getränke und Snacks)
Die Tagungsgebühren für die gesamte Tagung betragen 50,00 €, für Student*innen und Doktorand*innen 25,00 €.

Sakir Gökcebag: Reorientation 2A

Sakir Gökcebag: Reorientation 2A, 2010, Installation 243x165x8 cm

„Kunst und Bildung in der Migrationsgesellschaft“ ist das Thema einer interdisziplinären Tagung am 01. – 02. Juli 2016, veranstaltet durch das Institut für Kunstpädagogik, Justus-Liebig-Universität Gießen in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung.
Tagungsorte sind das Weltkulturen Museum Frankfurt a.M. und die Justus-Liebig-Universität Gießen.

Zum Konzept der Tagung schreibt der Veranstalter Ansgar Schnurr:

„Bildung zwischen Kunst und Medien findet vor dem Hintergrund einer kulturell-gesellschaftlichen Wirklichkeit statt, die in vielerlei Hinsicht von Migration geprägt ist. Wanderungen von Menschen, Bildern und Informationen bestimmen allgegenwärtig den Alltag, die Bildungsarbeit und die Künste. Aus dem global weitreichend entgrenzten Bilderpool schöpfend wird die Frage der Zugehörigkeit zur Gestaltungsaufgabe: Vertraute Vorstellungen des kulturell Eigenen werden verändert und fremde Kontexte zu sattsam vertrauten. Die Migrationsgesellschaft, die durch vielfache Wanderungs- und Transformationsprozesse geformte wird, manifestiert sich wesentlich in ihrer Medialität. Besondere Herausforderungen des Diskurses zwischen Kunst und Bildung liegen darin, dass einerseits eine Auseinandersetzung mit der Normalität alltäglicher Transkultur stattfindet, parallel dazu jedoch aktuell auch Antworten auf die drängenden Fragen der Flüchtlingsthematik gesucht werden: Geflüchtete bringen existentielle Bedürfnisse in alle Bildungskontexte ein und sind mit erheblich geringeren ästhetischen Gestaltungspielräumen konfrontiert. Um in dieser komplexen kulturellen Gegenwart handlungsfähig zu sein, ist eine tragfähige Klärung der Begrifflichkeiten, Ziele und leitende Theoreme gefordert. Welche Kulturbegriffe werden in Debatten zwischen Kunst, Medien und Bildung in einer Migrationsgesellschaft verwendet? In welche Richtung müssten sie im Lichte aktueller Entwicklungen ergänzt werden? Inwiefern lassen sich die Vorstellungen von Transkultur in der Flüchtlingskrise aufrechterhalten oder weiter entwickeln? Welche Ziele und Zukunftsperspektiven sind denkbar und welche Wege führen dort hin?“

Die Tagung beginnt im Weltkulturen Museum Frankfurt a.M., um sich mit den dort entwickelten Perspektiven auseinanderzusetzen, wie sich das kulturelle Erbe einer ethnografischen Sammlung in der kritischen Perspektive des Postkolonialismus darstellen und vermitteln lässt. Am Freitagabend reist man gemeinsam zur Universität Gießen. Vorträge zu aktuellen Entwicklungen des Kulturellen und zu medialen Dimensionen der Migrationsgeschichte wie der aktuellen Flüchtlingssituation geben Impulse im Verlauf der Tagung. In einem besonderen Fokus stehen Gespräche rund um Kurzbeiträge der Teilnehmenden zu ausgewählten Bildern, Objekten und künstlerischen Arbeiten aus der Perspektive des eigenen fachlichen Schwerpunktes. Ein Call for Papers und das gemeinsame Bildmaterial als Ausgangspunkt der sich von hier aus entspannenden interdisziplinären Gespräche findet sich auf der Homepage der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung.

Programm, Informationen und ein Call for Papers:
http://kunst-medien-bildung.de/2016/05/02/tagung-kultur-migration-bildung/

Anmeldung bis zum 10.06.2016!

Kontakt, Infos zum Hotelkontingent und Anmeldung:
Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Kunstpädagogik
Sekretariat
Tel.: (0049)-641 / 99-25020
Fax: (0049)-641 / 99-25029
E-Mail: Sekretariat@kunst.uni-giessen.de

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… lautet der Titel einer trans- und interdisziplinären Tagung der Universität Hamburg, die von Jacobus Bracker, Ann-Kathrin Hubrich und Stefanie Johns organisiert wird. Die Tagung findet vom 1-3. Dezember 2016 statt, Tagungsorte sind das Warburg-Haus und die Universität Hamburg. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.

Mehr Informationen zur Tagung und den Call for Papers finden sie auf: http://www.bildkontexte.de

Im Call for Papers schreiben die Organistor*innen zur Tagung:

„Die gegenwärtigen Fluchtbewegungen betreffen das Bildliche vielfältig. Die Präsenz in der medialen Berichterstattung, die diverse Perspektiven auf die Flucht, ihre Ursachen und Folgen abbildet oder ausblendet, verweist auf das Evokations- und Affektionsvermögen der Bilder. In einer drastischen Steigerung der Warburg’schen Bilderwanderungen flüchten auch die Bilder selbst, sei es, dass sie die Flüchtenden begleiten, sei es, dass sie transmediale Fluchtwege vor einem propagandistischen Bildersturm einschlagen.

Dabei sind die Phänomene aus dem Zusammenhang von Flucht und Bildern nicht neu. Fluchtbewegungen sind ein fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte: Aeneas floh mit seinem Vater Anchises auf den Schultern und seinem Sohn Askanios an der Hand aus dem brennenden Troja, die Israeliten vor der Unterdrückung in Ägypten, die Heilige Familie floh, um dem Kindermord des Herodes zu entgehen. Die Beweggründe für eine Flucht, die das Herkunftsland zu einem unsicheren Ort werden lassen, reichen von der Auflehnung gegen ein politisches System über Krieg und Gewalt bis Vertreibung und Hunger. Im Rahmen von Fluchtbewegungen entstand und entsteht zu allen Zeiten eine Fülle, eine schier unüberschaubare Masse an Bildern, die das Leid der Flüchtenden zu spiegeln suchen, die Fluchtwege nachzeichnen oder auf die Fluchtursachen verweisen wollen. Auf der Flucht begleiten und berühren Bilder der Heimat, der Zurückgebliebenen oder solche einer verheißungsvollen Zukunft.

In allen Fällen spielen idolatrische wie ikonoklastische Bildpraktiken eine erhebliche Rolle, Praktiken, die auf eine starke affektive Beteiligung der Akteur*innen mit intersubjektiv durchaus verschiedenen Ausrichtungen hindeuten. Affekte beeinflussen die Wahrnehmung, das phänomenale Bewusstsein, die Aufmerksamkeitslenkung und Bedeutungskonstruktionen und sie motivieren Handlungen und sind damit ein zentraler Faktor in einer als verkörpert verstandenen Wahrnehmung. Das außerordentliche Affekt- und Affizierungspotential der Bilder spielt unter anderem bei ihren Funktionen als Träger von Erinnerungen und Hoffnungen, bei Identitätskonstruktionen und bei ihrem strategischen bis manipulativen Einsatz in politischen Kommunikationsprozessen eine erhebliche Rolle. Hieraus ergeben sich vielfältige Fragestellungen:

Wie wirken die Bilder der Flucht und die flüchtenden Bilder in Identitätsbildungsprozessen? Wie ist der Zusammenhang zwischen Affekt und Bildwahrnehmung zu denken? In welcher Weise wird das Affektpotential der Bilder für die politische und gesellschaftliche Meinungsbildung (aus)genutzt? Wie können die Produktions- und Rezeptionsbedingungen der Fluchtbilder affekttheoretisch hinterfragt werden? Gibt es diachron oder interkulturell persistente Motive besonders affizierenden Charakters? Inwieweit repräsentieren Bilder spezifische sozio-kulturelle und historische Affektkonzepte?“

Die von Promovierenden der Archäologie, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik bereits zum vierten Mal organisierte bildwissenschaftliche und -theoretische Veranstaltung an der Universität Hamburg wird Vorträge und Workshops mit der Möglichkeit zu ausführlicher Diskussion anbieten. Besonders gefragt sind trans- und interdisziplinäre Beiträge zu den genannten Fragestellungen und Themen. Eine Beschränkung auf bestimmte Epochen oder Kulturen ist nicht vorgesehen.
Die Veranstalter*innen bitten um die Zusendung von Beitragsabstracts (etwa 300 Wörtern) und einen wissenschaftlichen Kurzlebenslauf.

Vorschläge für Vorträge (30 Minuten) oder Workshops (90 Minuten) können bis zum 31. Juli 2016 per Email an post@bildkontexte.de gesendet werden.

Tagung-Flyer

Die Tagungsreihe „Formate der Kunstvermittlung“ des Instituts für Kunst, Musik und ihre Vermittlung an der Leuphana Universität Lüneburg wird am 2. Juni 2016 in der 5. Ausgabe zum Thema „Kompetenz – Performanz – Resonanz“ fortgesetzt. Ich freue mich sehr, dass ich eingeladen wurde und mit einen Vortrag zur Tagung beitragen darf.

Die Veranstalter*innen der Tagung Kerstin Hallmann und Pierangelo Maset schreiben in der Ankündigung:

„Anlass der Tagung ist die Notwendigkeit, dass die derzeit im Bildungssystem dominante Orientierung am Kompetenzbegriff um die Dimensionen Performanz und Resonanz erweitert werden sollten. Die Art und Weise, wie heute über Bildung gesprochen wird, ist durch die Kompetenzorientierung weitgehend von Faktoren des Outputs bestimmt. Dementsprechend haben Begriffe wie „Bildungsstandard“, „Evaluation“, „Optimierung“ Wirklichkeiten geschaffen, die uns in einer bestimmten Art und Weise über Bildung nachdenken lässt und unser Handeln in Schule, Hochschule und anderen Institutionen zunehmend bestimmen.

Selbstverständlich sind im Fach Kunst immer auch Kompetenzen vermittelt worden, aber das Fach geht keineswegs darin auf. Schließlich haben wir es in der Kunst mit ereignishaften Besonderheiten sowie mit dem Unwahrscheinlichen tun, das weder in der Unterrichtsplanung, noch im messbaren Ergebnis aufgeht. Die kleinschrittige, letztlich auf Leistungskontrolle fixierte Kompetenzorientierung verfehlt gerade das, was Kunst und Bildung als zentrale Impulse für die menschliche Existenz auszeichnen. Deshalb soll den Dimensionen der Performanz und der Resonanz, die den besonderen Charakter der künstlerisch bildenden Arbeit kennzeichnen, im Rahmen der Tagung ein besonderes Gewicht verliehen werden. Welche Perspektiven werden sich als zentral für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Kunstvermittlung erweisen?“

Mit Beiträgen von: Prof. Dr. Carl-Peter Buschkühle (Gießen), Hans-Christian Dany (Hamburg), Dr. Inga Eremjan (Lübeck), Kerstin Hallmann (Hamburg/ Lüneburg), Almut Linde (Hamburg/ Lüneburg), Prof. Dr. Pierangelo Maset (Lüneburg), Prof. Dr. Maria Peters (Bremen), Dr. Manuel Zahn (Hamburg/ Braunschweig).

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Tagung der Hamburger Forschungsgruppe für Psychoanalyse (HAFPA) in Kooperation mit dem Fachbereich 1 an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg vom 6.-8. November 2015.

Die Tagung fragt danach, was und wie der Begriff der Übertragung dazu beitragen kann, das aktuelle Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu beschreiben. Uns interessiert dabei sowohl die Befragung vorliegender psychoanalytischer Konzeptionen als auch eine disziplinär plurale Annäherung an das Problem des Sozialen.

Vom Individuum ausgehend versucht das Konzept der Übertragung zu beschreiben, wie es seine Grenzen zum anderen und zum Anderen hin beständig überschreitet und wie diese Überschreitung selbst wiederum seine Grenzen konstituiert. Aus genetischer Perspektive wird Übertragung als eine das Subjekt formierende Wirkung des Unbewussten bemerkbar, welches selbst wiederum über das individuelle Subjekt hinausgeht. Als Frage nach dem Sozialen ist dies – in Kultur und in Klinik – auch immer eine politische Frage nach der Beschaffenheit und den Wirkungen des sozialen Bandes, welches das Gemeinwesen genauso wie das Individuum verschnürt und mal fest aber oft nur prekär zusammenhält.

Mit Beiträgen von Kristin Gutwirth, Peter Lenhart, Karl-Josef Pazzini, Marianne Schuller, Tove Soiland, Harald Strauß, Dragica Stojkovic, Jürgen Todt und Manuel Zahn.

Das Tagungsprogramm als PDF-Download.

Tagungsort:
Universtät Hamburg
Fakultät für Erziehungswissenschaft
Von-Melle-Park 8, Raum 206

Teilnahmegebühren (inkl. Getränke und Snacks):
Vollzahler: 60,-€ / Studierende: 30,-€

Kontakt und Anmeldung:
Peter.Lenhart@uni-hamburg.de

Mehr Informationen zur Tagung finden Sie auf der Internetseite der HAFPA.

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Tagung anlässlich der Emeritierung von Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini
17.-19.9.2015, Warburg-Haus Hamburg

In der Bildenden Kunst haben sich die Menschen im Laufe ihrer Geschichte in je historisch und kulturell unterschiedlichen Arten und Weisen einen besonderen Bereich der Bildung vor Bildern geschaffen. Karl-Josef Pazzini versteht Bildende Kunst immer auch als einen Forschungsbereich zur Verfassung und Beschreibung des individuellen Subjekts auf dem Weg zum Anderen und vom Anderen, auch dem Bild her bestimmt. Die künstlerischen Arbeiten werden in dieser Perspektive nach ihren möglichen Auskünften über subjektive Bildungsprozesse, ihrer Bedingungen und Dimensionen befragt und gleichzeitig als widerständige, störende, affizierende Dinge auch zum Anlass wieder anderer Bildung(en). Er hat diese These in seiner kunstpädagogische Lehre und Forschung in der Konfrontation mit vielen Bildern und anderen Kunstwerken erprobt, mit Theoretisierungen versehen und in den kunstpädagogischen Diskurs eingebracht. Das Buch „Bildung vor Bildern“, das September 2015 im Transcript-Verlag erscheinen wird, zeugt davon. Read the rest of this entry »