Im Rahmen der Reihe .mbr monthly und in Kooperation mit dem Labor für Bildungsphilosophie der Universität zu Köln werde ich am 31.5.2011 (um 16:00 Uhr, in Rm 244) einen Gastvortrag mit dem Titel “Watch, Edit, Mash and Tube it. Film-Bildung in postkinematographischen Zeiten” halten.
Ich freue mich schon sehr darauf. Und alle die sich für Fragen der Film-Bildung und der aktuellen Medienkultur interessieren und (zufällig) in Köln weilen, sind herzlich eingeladen.
Ich möchte auf zwei sehr interessante Tagungen im November diesen Jahres hinweisen. Die erste findet in Zürich statt, die zweite in Hamburg.
“Das Tagungsthema nimmt darauf Bezug, dass sich in letzter Zeit um den Schlüsselbegriff der Medienbildung eine breite Diskussion entwickelt hat, welche den Stellenwert dieses Begriffs im medienpädagogischen Diskurs unterschiedlich beurteilt. kontrovers diskutiert. Aus diesem Anlass soll es an der Tagung darum gehen, zentrale Begriffe von Medienpädagogik/ Medienbildung zu schärfen. Dementsprechend soll im Ablauf der Tagung vermehrt die Möglichkeit zu Diskussionen bestehen. Neben eingeladenen Referentinnen und Referenten soll auch weiteren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Überlegungen vorzutragen.
An der Tagung stehen u.a. Fragen im Zentrum wie:Wie stehen die Leitbegriffe der Medienkompetenz, Medienerziehung und Medienbildung zueinander? In welchem Verhältnis zu den beiden genannten Begriffen steht das im anglo-amerikanischen Raum favorisierte Konzept der «Media literacy»? Wie weit ist es sinnvoll den Bildungsbegriff der erziehungswissenschaftlichen Tradition in die medienpädagogische Diskussion aufzunehmen? Welche Bedeutung hat der Begriff der Medienbildung in den verschiedenen – schulischen und ausserschulischen – medienpädagogischen Feldern? In welchem Verhältnis stehen Medienbildung und Medienerziehung zueinander? Wie ist das Verhältnis von Medienbildung und Mediendidaktik zu konzipieren? [...]
Lesen sie hier das gesamte Programm der Tagung!
2. Bilderverbot
Auszug aus der Ankündigung:
“Du sollst Dir kein Bildnis machen! – Das »Bilderverbot« ist merkwürdig. Das Gebot war zu hören, wurde auf Gesetztafeln geschrieben, kann vorgelesen und wieder gehört werden. Dieser Text aus der Bibel und seine dortige Umgebung evozieren immer wieder Bilder, auch und gerade von diesem Gott, der eigentlich nicht einmal dort geschrieben steht. Moses wird lediglich gestattet, einen Blick auf den Rücken Gottes zu werfen. Von den Effekten von Gottes Handeln drängten sich Bilder auf.
Das Bilderverbot führt nicht zur Ausschaltung von Bildern. Wahrscheinlich ist das so, weil das Verbot nur die Unmöglichkeit eines Bildes verbirgt. Es sind offenbar keine Bilder möglich, die das Abgebildete beherrschbar machen. Das Bilderverbot spricht davon, dass etwas der Symbolisierung entweicht. Es bleibt etwas jenseits.Eine andere Version wäre: Du sollst Dir kein Abbild machen!
Es solle kein Gebilde geschaffen werden, das den Eindruck erwecken könnte, dass etwas, das man in der Vorstellung oder auch „außen“ sehen und fühlen kann, repräsentiert werden und man diese (auch symbolische) Verdinglichung besitzen könne. [...]“
Lesen Sie hier das vollständige und höchst interessante Programm der Tagung (als pdf-Flyer)!
Benjamin Jörissen hat dankenswerterweise einen sehr schönen und ausführlichen Bericht vom letzten Magedeburger Theorieforum geschrieben, an dem ich auch mit einem Vortrag zu »Memento – Zur Zeitlichkeit des Films und seiner Erfahrung« teilgenommen habe:
“Am 2./3. Juli 2010 fand an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg das 3. Magdeburger Theorieforum als gemeinsame Veranstaltung des Lehrstuhls Allgemeine Pädagogik, des Lehrstuhls für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung und Medienbildung unter Berücksichtigung der Erwachsenen- und Weiterbildung und der DGfE-Sektion Medienpädagogik, organisiert von Benjamin Jörissen, Winfried Marotzki und Johannes Fromme, statt. Insgesamt war es damit die vierte Veranstaltung dieser – im Jahr 2005 von der “Theorie-AG” der damaligen Kommission Medienpädagogik initiierten – Form. Ziel des Theorieforums, das sich als regelmäßiges Ergänzungsangebot zu den beiden jährlich angebotenen Tagungen der Sektion Medienpädagogik versteht, ist es, zentrale Theoriediskurse aufzugreifen, zu bündeln und ohne den Druck der Transformation in handlungsrelevante Konzepte – sowie in großzügig bemessenem Zeitrahmen – zu diskutieren. Das diesjährige Thema “Zeit, Medialität und Bildung” bot einen Einblick in die Komplexität des virulenten und auch theoretisch sehr anspruchsvollen Problems medialer dynamisierter, transformierter und diversifizierter Zeitverhältnisse. Die vier Vorträge gaben dabei einen Einblick in unterschiedliche medialisierte Zeitphänomene – wie Beschleunigung, Zirkularität, Gegenwärtigkeit und Rhythmisierung:
1) Horst Niesyto (PH Ludwigsburg) warf unter Rekurs auf Hartmut Rosas Analysen zur potenzierten Dynamisierung von Zeitverhältnissen einen kritischen Blick auf “Bildungsprozesse unter Bedingungen medialer Beschleunigung”. Bildungsprozesse benötigen als Erfahrungs- und Lernprozesse Zeit. Diese Zeit entzieht sich insbesondere in (medien-) ästhetischen Reflexionsformen dem chronologischen Zeitbegriff; sie ist Zeit für streunende Suchbewegungen, gleichsam also tentative Bildungszeit. An zwei medialen Phänomenfeldern – Kino/TV sowie digitale Medien – wurden vor diesem Hintergrund Bildungs- und Reflexionspotenziale erörtert. In beiden Feldern zeigte Horst Niesyto unter Zurückweisung medienzentristischer Wirkungsmodelle auf, dass mediale Beschleunigungsphänomene mit kritischer Aufmerksamkeit, aber differenziert zu betrachten sind. So stellt er fest, dass zwar generell eine Transformation zur “episodischen Aufmerksamkeitserregungskultur” nicht förderlich für einen distanziert-reflexiven Blick, etwa für bewusste Perspektivwechsel, sein kann. Jedoch sei der einseitige Blick auf explizit-verbale Formen von Reflexivität zugunsten eines diversitätsorientierten Verständnisses unterschiedlichen Formen und Kulturen von Reflexivität zu erweitern. So wird sichtbar, dass in medial veränderten Zeitverhältnissen auch neue Formen von Reflexivität entstehen können, die etwa mit kulturell wandelnden ästhetischen Aneignungsmustern oder mit neuen, kollaborativen Formen von Reflexivität in digitalen Räumen einhergehen. Diese aber seien jedoch oft voraussetzungsreich, insofern sie auf bereits vorhandenen Literacies aufbauen. Medien, und insbesondere digitale Medien, schaffen daher ein Feld der Wahlfreiheit, das digitale Ungleichheit zu verstärken droht. Aufgabe der Medienpädagogik sei es angesichts dessen, diese gegebenen Voraussetzungen stärker zu berücksichtigen, dabei die Diversität von Reflexionsformen anzuerkennen und zu beobachten, um schließlich auch Anschlüsse zu ermöglichen und zwischen unterschiedlichen Medienkulturen vermitteln zu können.
2) Der Vortrag von Manuel Zahn (Univ. Hamburg/Univ. Oldenburg) mit dem Titel “‘Memento’ – zur Zeitlichkeit des Films und seiner Erfahrung” thematisierte aus differenztheoretischer Perspektive die Frage, wie Zeit im Film als Medium gegenständlich werden kann. Unter Rekurs auf Heidegger, Derrida und Deleuze zeigte er auf, dass subjektive Selbstverhältnisse aus dieser Perspektive als nie gegenwärtig, sondern immer schon in mediale Zeitverhältnisse eingelagert betrachtet werden. Die Dichotomie von medialer Objektzeit und subjektiver Eigenzeit oder Bewusstseinszeit vs. Technozeit wird somit dekonstruiert, so dass der Blick auf eine konstitutive Verschränkung von Medialität und Zeit frei wird: der Sinn der ästhetischen Form, so argumentierte Zahn mit Martin Seel, sei die Zeit. Jede Gestaltung disponiere die Zeit der Betrachtung. In diesem Sinne geben Filme den Zuschauern Zeit; sie “laden zu einem besonderen Vollzug von Zeit ein”. Allerdings differenzierte der Vortrag an dieser Stelle kritisch: das Kino als Mannigfaltigkeit von Bewegtbildern ahme – insbesondere im Blockbuster-Kino – lediglich subjektzentrierte Wahrnehmungsformen nach, die es somit reproduziert und zur Norm erhebt. Dagegen setzt Zahn den Deleuze’schen Begriff der filmischen Zeitbilder. Zeitbildfilme zeigten eine Bewegung der Zeit, welche nicht der Wahrnehmungsordnung entsprechen, und verweisen somit auf ein komplexeres Zeitmodell, bei dem Zeiten ineinander und nebeneinander existieren. Dies temporale Pluralität einer sich prozessural differenzierenden Zeit explizierte Manuel Zahn schließlich anhand des Films “Memento” und zeigte damit dessen immanente zeittheoretische Komplexität auf. [...]”
Lesen Sie den vollständigen Bericht auf dem Weblog von Benjamin Joerissen!
Andrea Sabisch schreibt in der Ankündigung ihres Vortrags:
»Hanekes Film Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte ist mehr als eine filmische Fiktion in dokumentarischer Manier mit Relevanz für die Gegenwart. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive stellt sich in diesem Film die Frage nach Bedingungen und Grenzen der Lehre neu. Unter dem Deckmantel der Fürsorge geschieht etwas, was der Geschichte vorgelagert wurde und zugleich immer wieder vorgeführt wird: ein Verrat am Subjekt. Ist dies der Grund, warum der Lehrer schließlich Schneider wird?«
Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Am Mittwoch, den 14. April 2010 beginnt die Ringvorlesung »Filmische Inszenierungen des Lehrens und des Lehrers. Lehr-Performances«, die ich gemeinsam mit Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini und der [FuL] Forschungs- und Le[ ]rstelle, Kunst – Pädagogik – Psychoanalyse am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg veranstalte.
An diesem Mittwochabend wird Adrienne Crommelin mit dem »Klassiker« des Lehrer-Films Das fliegende Klassenzimmer den Vortragsreigen eröffnen. Der Titel ihres Vortrags lautet »Der Unterricht wird zum Lokaltermin. Erich Kästners Lehren« und er verspricht sehr spannend zu werden. Sie selbst schreibt zu Ihrem Vortrag:
“In der Auseinandersetzung mit der Verfilmung von Kurt Hoffmann, zu der Kästner selbst das Drehbuch lieferte, geht es zunächst um die jeweiligen Phantasien und Wünsche, die in den verschiedenen Lehr-Szenarien entworfen und durchgespielt werden. Die dabei hervortretenden Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten sind – so die These – nicht allein auf eine inkonsequente Dramaturgie der Filmerzählung zurückzuführen, sondern haben mit grundlegenden Problemen von Lehre und Autorität zu tun, die noch lange nicht verjährt sind.”
Die Vorlesungsreihe »Lehr-Performances« nimmt sich der unterschiedlichen Inszenierungen des Lehrers im internationalen Spielfilm an. Die filmischen Lehr-Performances sind dabei nicht nur als gute, schlechte oder zumindest sentimentale Unterhaltung der Zuschauer (als ehemalige Schüler) zu verstehen, sondern sie speisen sich aus einem historisch und gesellschaftlich spezifischen kulturellen Imaginären, modifizieren es und reichern es mit neuen Figuren, Bildern und Aussagen an. Durch die Filme zum Vorschein gebracht, kann es zum Gegenstand von Gesprächen werden.
Der Film wird in dieser Perspektive zu einer kulturellen Praxis der (Re-)Inszenierungen des Wissens um das Lehren und Lernen. Anhand der »Lehr-Filme« lassen sich demzufolge wichtige Aussagen zur Erforschung der Schule, zu den strukturellen Momenten des Lehrens und Lernens und zu Bildungsprozessen der Schüler und der Lehrer gewinnen.
Die insgesamt sieben Vorträge finden 14tägl., Mittwoch, von 19 – 21 Uhr im Rm 504 VMP 8 statt. Die Vorträge sind öffentlich und kostenlos. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.
Alle am Thema Interessierten sind herzlich eingeladen zu kommen!
Weitere Informationen zur Reihe erhalten sie auf den Seiten der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg.
An den nächsten 3. Dienstagen des DienstagsKino der KFA im B-Movie sollen in einer Serie aus herausragenden Kurzfilmen der letzten 25 Jahre unterschiedliche Programme entstehen. Das Kurzfilmarchiv der KFA hat zurzeit 26.000 Filme, in diesem kann in vielerlei Richtung geforscht werden.
Der erste Abend, Di., 17. November, ab 20 Uhr, wird dem strukturellen Film gewidmet sein.
»Hier ist das sinnliche Sehvermögen aufgefordert, unkonventioneller zu reagieren. Wer bereit ist, sich im Ungewohnten einzurichten, kann zu ganz eigenen Erfahrungsgrenzen vorstoßen.
Für alle, die auch im Sitzen etwas Bewegung brauchen.«
Der Eintritt ist frei!
Kommenden Freitag, den 6.3.09 um 20 Uhr zeigt das Metropolis-Kino, Hamburg in der Reihe “Psyche im Film” Hitchcocks Vertigo (dt.¬†Aus dem Reich der Toten,¬†USA 1958, Alfred¬†Hitchcock 130 min.)
“Höhenangst wird dem ehemaligen Polizisten Scotti zum Verhängnis. Er leidet unter der Schuld am Tod eines Kollegen. Ein privater Beschattungsauftrag mündet erneut in eine Katastrophe. Die Frau, deren Selbstmord er verhindern soll, stürzt vor seinen Augen von einem Kirchturm. Für die rätselhafte Madelaine, in die er verliebt war, findet er eine Doppelgängerin. In seiner Besessenheit stylt er sie zum Ebenbild der vermeintlich Toten. Im Sog einer tödlichen Intrige treibt er auf einen Abgrund zu, den Hitchcock und sein Kameramann Robert Burks mit der berühmten schwindelerregenden Turmsequenz illustrierten.”
“Ein Mann mit Höhenangst stürzt ins Bodenlose. In seinem Film Vertigo hat Hitchcock die psychischen Abgründe eines obsessiven Liebeswahns virtuos inszeniert. Wenn das Objekt der Begierde eine Illusion ist, bilden Besessensein und Besitzergreifen ein pathologisches Doppel.”
Über die Psyche in diesem filmischen Meisterwerk spricht Professor Hinderk Emrich.
Vor gut drei Wochen fand das 14. Internationale Bremer Symposium zum Film statt. Es widmete sich unter dem Titel “Vom Kino lernen” der Filmvermittlung – ich hatte bereits darauf verwiesen.
Ich konnte dort mit einem kurzen Beitrag in einem vorgeschalteten Nachwuchskolloquium teilnehmen und meine derzeitige Forschung zur Relation von Film und Bildung(stheorie) mit jungen Wissenschaftlern aus Frankreich, Italien, Holland und Deutschland diskutieren. Die internationale und thematische Ausrichtung des Kolloquiums erwies sich nachträglich als programmatisch für das folgende Symposium. Dieses umfasste Vorträge, die sich grob in drei thematische Gruppen unterscheiden lassen:¬†1.¬†Institutionen der Filmvermittlung, 2. Methoden der Filmvermittlung und 3. Film(vermittlung) und individuelle Bildung.
1. Institutionen der Filmvermittlung:
Neben Vertretern einer akademischen Forschung an Fragen des Films und seiner Vermittlung (z.B. Alain Bergala, Paris; Peter Decherney, Pennsylvania; Marc Ries, Leipzig ¬†und Winfried Pauleit, Bremen) kamen mit Nathalie Bourgeois (Cinémath√®que Francaise, Paris), Michael Löbenstein und Dominik Tschütscher (Österreichisches Filmmuseum, Wien), Stefanie Schlüter und Stefan Pethke vom Projekt Kunst der Vermittlung (Berlin), Cary Bazalgette (ehemals British Film Institut, London), N√∫ria Aidelmann und Laia Colell (A Bao A Qu / Cinema en cours, Barcelona) weitere und nicht weniger bedeutende Institutionen zu Wort: Kinematheken, Filmmuseen, Filminstitute, kommunale Kinos und freie Forschungsgruppen zum Film.
Zuletzt genannte Institutionen befassen sich, wie man hören und sehen konnte, nicht nur mit dem Sammeln, Bewahren, Restaurieren und Aufführen des Films, sondern sind auch Orte seiner Erforschung und Vermittlung.
Sie stoßen damit in die Lücke einer noch ausstehenden universitären Filmlehrerausbildung. Auch wenn an den Schulen mittlerweile der Umgang mit Film in all seinen Facetten curricular verankert ist, existieren an den Universitäten bisher nur implizite Ansätze der Filmvermittlung. Ein Beispiel dafür ist die Universität Bremen, wo am Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik seit 2003 eine intergierte Film- und Medienwissenschaft gelehrt wird, die sich auch der Vermittlung von Film widmet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unter dieser thematischen Perspektive das Symposium einen Einblick in ein sehr breites Feld institutioneller Filmvermittlung¬†ermöglichte, in dem zumindest in Deutschland (in Frankreich beispielsweise ist das, denke ich, ein wenig anders) die angesprochenen Institutionen noch zu sehr für sich operieren, obwohl sie sich doch in ihren Ansätzen ganz offensichtlich anregen und ergänzen könnten.
Hier scheint mir noch viel Entwicklungspotenzial für die Filmvermittlung in Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund einer flächendeckend entstehenden Ganztagsschule. Dadurch verschärft sich meines Erachtens die Frage nach den möglichen Formen einer zukünftigen schulischen Filmvermittlung. Versteht man die Ganztagsschule nicht nur als rein zeitliche Ausdehnung der Beschulung, sondern auch als sich qualitativ und strukturell verändernde Schulform, dann stellt sich doch sofort die Frage nach dem Wie neuer Lern- und Schulkultur. In dieser strukturellen Offenheit der Ganztagsschule liegen Chancen für eine ästhetische Filmvermittlung, die spezieller Vermittlungsformen bedarf, die nicht selten außerhalb der üblichen Stundentaktung des Schultages liegen. Museums- und Kinobesuche, Praxisprojekte und Filmwerkstätten sind nicht nur erfahrungsgemäß hoch motivierend für die Schüler, sondern auch sehr zeitaufwendig. Zudem braucht die Einbeziehung von außerschulischen ‚ÄûExperten« wie Filmemachern, Kinobetreibern, Schauspielern und Lernorten wie Museen, Kinematheken und Kinos ein Höchstmaß an Vermittlungskompetenz und viel Vor- und Nachbereitung, die in erster Linie auf die Lehrer zukommt, die zwischen den Ansprüchen der Schüler und den ‚ÄûExperten« moderieren müssen.
Am 28.11.08 veröffentlichte die taz ein Gespräch zwischen David Denk und Christian Petzold “über das Fernsehen im Vergleich zum Kino, Filmerziehung, den eigenen TV-Konsum und die aktuelle Qualitätsdebatte”.¬†Die Gedanken zur spezifischen Medialität des Fernsehens und des Kinos sind zwar nicht neu, aber so lesenwert, dass es das Interview an dieser Stelle vollständig zu lesen gibt:¬†
taz: Herr Petzold, am Freitag läuft Ihr Film “Gespenster” zum ersten Mal im Fernsehen. Was bedeutet Ihnen das?
Christian Petzold:¬†Ich finde, es gehört zum Reichtum des Fernsehens dazu, dass auch mal ein Film wie meiner da läuft. Das ist selten genug der Fall. Wer wie ich aus einer westdeutschen Kleinstadt ohne Kino stammt, hat das Kino vor allem durch das Fernsehen kennen gelernt und wahrgenommen – etwa durch die Filmreihen “Die schwarze Serie” oder “Das Europa der weißen Telefone” über das Melodram. Doch die Verslottung des öffentlich-rechtlichen Programms – also das starre Sendeschema am Abend – hat dazu geführt, dass das Kino dort keinen Ort mehr findet. Das Privatfernsehen hat diese Slots zwar nicht, spielt aber sowieso nur die Filme, die man auch bei Schlecker an der Kasse kaufen kann.
Was haben Sie gegen Blockbuster?
Nichts. Nur wird durch die einseitige Filmauswahl das Kinoverständnis verengt: Das Kino ist eben nicht nur Abspielstation für Kassenschlager, sondern der Ort, an dem das Gemeinwesen, in dem wir uns bewegen, durchleuchtet und bearbeitet, durchsucht und hinterfragt wird.
Ist “Gespenster” im Fernsehen genauso gut wie im Kino?
Ich glaube, dass die Umgebung, in der man einen Film sieht, genauso wichtig ist wie der Film selbst. Wenn ein Film flankiert ist von den “Tagesthemen” und dem “Nachtjournal”, ist das ein anderer Film, als wenn der Abend mit einer Busfahrt zum Kino beginnt und mit einem Getränk in einer Bar endet… Read the rest of this entry »
Heute vormittag fand die Auftaktveranstaltung zu meinem Seminar “Das Geschlecht der Bilder. Körper, Geschlecht und Film” statt. Ich nehme das zum Anlass, auf zwei thematisch “verwandte” Ringvorlesungen an der Universität Hamburg aufmerksam zu machen:
1. SEXY MEDIA?
Montags 18‚Äâ‚Äì‚Äâ20 Uhr im Hörsaal M,¬† Hauptgebäude,¬† Edmund-Siemers-Allee 1
Welche Wechselwirkungen gehen Medien und Gender in massenmedial bestimmten Gesellschaften ein? Was passiert an den Schnittstellen von Geschlecht/Sex(ualität) und Medien? Welche politischen Auswirkungen kann diese Verbindung ermöglichen? Als inzwischen institutionell verankerte Disziplinen sollen Gender/Queer Studies und Medien-/ Kommunikationswissenschaften nicht mehr auf ihre Legitimation, sondern vielmehr auf ihre produktiven Überschneidungen hin befragt werden. Was haben die Akteurinnen und Akteure der genannten Disziplinen dazu zu sagen?¬†
In dieser interdisziplinären Ringvorlesung werden inspirierende Projekte dieser Themenfelder und die dahinter stehenden Wissenschaftler/innen vorgestellt.¬†
2. JUGEND – FILM – GENDER
Dienstags 18 – 20 Uhr im Raum 206,  Von-Melle-Park 8    
Die Vorlesungsreihe beleuchtet Facetten des Zusammenhangs zwischen Adoleszenz, ihrer medialen Repräsentation, Rezeption und Produktion von Geschlechterverhältnissen. Die Beiträge erforschen das bildende Potenzial von Filmen und untersuchen Entwürfe von Jugend und Erwachsenwerden. Geschlecht, Sexualität und Körper sind in diesem Prozess komplexe und widersprüchliche Felder der Identitätsentwicklung, mit denen sich Jugendliche zwingend auseinandersetzen müssen. Entsprechend vielfältig sind die Schwerpunkte, die in der Vorlesungsreihe aufgegriffen werden. Das Spektrum medialer Repräsentationsformen reicht vom Videoclip bis zum abendfüllenden Spielfilm.¬†
In der Ringvorlesung “Jugend-Film-Gender” werde ich am 25.11.08 unter dem Titel “Das Geschlecht der Bilder” vortragen.¬†Thematisch wird sich mein Vortrag mit der Schnittstelle von Gender-, Film- und Bildungstheorie beschäftigen. Es wird um das komplizierte Verhältnis von Körperlichkeit, Geschlecht und Bildung unter den Bedingungen ihrer Medialität gehen und um die Frage, was Filme wie beispielsweise Kimberley Peirces “Boys don`t cry” (US 1999) oder¬†auch Luc√≠a Puenzos “XXY” (Argentinien, Frankreich, Spanien 2007) zur Differenzierung dieses Verhältnisses beitragen können.
 




 
 
 
